03.09.2012 | Neue Steuer erfunden

Kleinstadt in Geldnot erwägt Pferdesteuer

Betroffen von der Steuer wären nur Hobby-Reiter
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Finanznot macht erfinderisch: In der Kommune Lauterbach im Vogelsbergkreis ist ein Streit um die Einführung einer Pferdesteuer entbrannt.

Die hochverschuldete Kreisstadt erwägt, Pferdehalter mit etwa 200 Euro jährlich zur Kasse zu bitten. Dagegen protestierten am Rande einer Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag rund 250 Menschen vor dem Rathaus. Die Entscheidung wurde vertagt.

Laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung wäre Lauterbach die erste Kommune in Deutschland, die eine Pferdesteuer einführt. Viele Städte und Gemeinde haben den Schritt schon diskutiert, ihn aber verworfen - ein heißes Thema. Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller (CDU) sagte am Freitag, noch sei nichts entschieden.

Die Steuer würde der Stadt jährlich rund 30.000 Euro bringen. Das Haushaltsdefizit der Kommune liegt bei 4,6 Millionen Euro. Der Schuldenberg ist 30 Millionen Euro hoch. "Als Haushaltsvorstand muss man sich Gedanken machen. Die Pferdesteuer ist eine Möglichkeit", sagte Rathaus-Chef Vollmöller. Ein Beschluss könne im Oktober fallen. Die Stadt muss dringend sparen, um unter den hessischen Rettungsschirm für notleidende Kommunen zu dürfen.

Beim Pferdesportverband Hessen treffen die Lauterbacher Pläne auf Proteste: Das Reiten wäre der einzige Sport, der besteuert würde, kritisierte Geschäftsführer Robert Kuypers. Treffen würde die Steuer vor allem die Nachwuchsreiter. Zwei Drittel der Aktiven sei unter 21 Jahren. Es sei ein Irrglaube, dass viele Reiter wohlhabend seien.

Betroffen von der Steuer wären laut Verband nur Hobby-Reiter, keine gewerblichen Pferdehalter in Zucht oder Landwirtschaft. Erhoben werden sollen 204 Euro pro Jahr für das erste Pferd und 180 Euro für jedes weitere.

Der Pferdesportverband kritisiert, dass Interessenvertreter nicht gehört worden seien. Kuypers: "Wenn wir am Donnerstag nicht vor dem Rathaus demonstriert hätten, wäre die Steuer bestimmt beschlossen worden. Ich weiß nicht, ob 30.000 Euro der Stadt weiterhelfen."

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung bezeichnete die Pläne einer Steuer als Katastrophe: "Wenn sie einmal in Deutschland eingeführt wird, gibt es einen Domino-Effekt - dann machen es alle." Die 200 Euro pro Jahr wären womöglich nur der Einstieg. Wenn sich Pferdehalter die Tiere nicht mehr leisten könnten, drohe die Gefahr von Notverkäufen oder -schlachtungen. Irland sei ein abschreckendes Beispiel dafür gewesen. "Dort wurden Tausende Pferde ausgesetzt".

Schlagworte zum Thema:  Pferdesteuer, Kommunale Steuern

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