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11.08.2015 | Serie BilRUG

BilRUG: Vermeidung der Konzernrechnungslegungspflicht

Serienelemente
Bild: Corbis

Die Schwellenwerte zur größenabhängigen Befreiung von der Konzernrechnungslegung sind ebenfalls erhöht worden. Damit kommen einige wenige Konzerne in den Genuss von erheblichen Erleichterungen bei der Rechnungslegung.

Da auch hier die Zweijahresfrist gilt, kann es zu einer ähnlichen Konstellation kommen: Jahresabschlusslage 2013 führt zum Überschreiten der Schwellenwerte, im Jahr 2014 droht dies erneut. Auch hier kann durch das Verschieben von Investitionen und das gezielte Nutzen von Wahlrechten versucht werden, durch die gezielte, ggf. einmalige Reduktion mindestens zwei Kriterien zu unterschreiten, wenngleich die Erhöhungen sich noch unterhalb des Inflationsausgleichs bewegen und die vorzeitige Anwendung auch hier auch die konzernweite Berücksichtigung der geänderten Umsatzdefinition nach § 277 Abs. 1 HGB BilRUG zu erfolgen hat.

Generell sind zur Erreichung der größenabhängigen Erleichterungen alle Möglichkeiten zur darstellungs- und sachverhaltegestaltenden Minimierung der Kriterien Bilanzsumme, Umsatz und Mitarbeiteranzahl wie auch bei der Darstellung der Vermeidung des Größenklassenaufstiegs relevant. Allerdings gibt es in der konkreten Anwendbarkeit einige Unterschiede, da zusätzlich die Wahlrechte im Rahmen der Konsolidierung greifen, da für die Prüfung der Schwellenwerte zwei Verfahren vorgesehen sind:

Zur Ermittlung der Größenkriterien können entweder die Einzelabschlüsse aller in den Konzernabschluss einzubeziehenden Tochterunternehmen addiert (Bruttomethode gem. § 293 Abs. 1 Nr. 1 HGB) oder ein vollständig konsolidierter Konzernabschluss quasi als Probeabschluss aufgestellt werden (Nettomethode gem. § 293 Abs. 1 Nr. 2 HGB). Sowohl bei der Brutto als auch bei der Nettomethode ist im Hinblick auf die Ermittlung der Größenmerkmale von dem Konsolidierungskreis auszugehen, der bei einer Überschreitung der Bezugsgrößen der späteren Konsolidierung zu Grunde liegen würde. Im Einzelnen ergeben sich die in folgender Tabelle dargestellten Wertegrenzen, wobei die verabschiedeten höheren Werte des BilRUG für den Fall der frühestmöglichen Nutzungsmöglichkeit eingearbeitet sind – eine Pflichtanwendung der neuen Vorschriften wird auch hier erst ab Geschäftsjahren, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen, gefordert.

Bruttomethode

§ 293 Abs. 1 Nr. 1 HGB

bis 2013/gepl. ab 2014

Nettomethode

§ 293 Abs. 1 Nr. 2 HGB

bis 2013/gepl. ab 2014

Bilanzsumme

23,1 Mio. EUR/24,0 Mio. EUR

19,25 Mio. EUR/20,0 Mio. EUR

Umsatzerlöse

46,2 Mio. EUR/48,0 Mio. EUR

38,50 Mio. EUR/40,0 Mio. EUR

Mitarbeiter

250

250

Tab. 1: Entwicklung der Wertegrenzen zur Befreiung von der Pflicht zur Konzernrechnungslegung

Es wird deutlich, dass bei der Bruttomethode im Hinblick auf die Bilanzsumme und Umsatzerlöse von Werten ausgegangen wird, die die entsprechenden Werte der Nettomethode um 20 % übersteigen. Bei der Nettomethode werden so die Auswirkungen der Konsolidierung berücksichtigt. Da ein Unternehmen bei der Wahl der Methode grundsätzlich frei ist, dürfte die Entscheidung für eine Methode, die zu jedem Abschlussstichtag neu getroffen werden kann, außer von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen insbesondere von der Art, Form und Intensität der innerkonzernlichen Beziehungen abhängig sein. In wirtschaftlicher Hinsicht ist vor allem zu bedenken, dass die Nettomethode eine Probekonsolidierung erfordert. Dieser Nachteil relativiert sich jedoch, wenn man die so gewonnenen Daten als Grundlage eines umfassenden Beteiligungscontrollings oder sogar Konzernmanagements für die Planung, Steuerung und Kontrolle der einzelnen Unternehmen und des Gesamtgebildes Konzern verwendet. Bezüglich der konkreten Anwendung der Befreiungsmöglichkeit ist es üblich, zunächst mit der Bruttomethode zu beginnen und wenn bei dieser an den zwei aufeinander folgenden Stichtagen jeweils mindestens zwei Kriterien überschritten sind, die Nettomethode zusätzlich anzuwenden. Können mit der Nettomethode mindestens zwei der Kriterien unterschritten werden, so ist eine Konzernbilanzierung auch nicht notwendig. Die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses ergibt sich somit erst, wenn bei beiden Methoden eine Überschreitung zu konstatieren ist.

Tipp: Maßnahmen, um geringe Werte auszuweisen

Um bei der Nettomethode möglichst geringe Werte auszuweisen, sollten folgende Möglichkeiten angewendet werden:

  • Schon der Konsolidierungskreis sollte durch die Nutzung der Einbeziehungswahlrechte des § 296 HGB klein gehalten werden.
  • Bei der Aufbereitung der Daten können alle Wahlrechte bezüglich Ansatz, Bewertung und Ausweis innerhalb der Grenzen des HGB neu genutzt werden.
  • Darüber hinaus sollten die Wertansätze des Geschäfts- oder Firmenwertes möglichst gering gehalten werden, d. h. es sollten möglichst kurze Nutzungsdauern unterstellt werden.
  • Eliminierung aller konzerninternen Beziehungen, d. h. neben dem Kapital auch Schulden, Aufwendungen und Erträgen sowie Zwischenergebnissen.

Zusätzlich können über sachverhaltegestaltende Maßnahmen, wie z. B. die Verschiebung von Investitionen und Vorratskäufen auf Ziel, der Abschluss von Leasingverträgen oder das Verschieben von Abrechnungszeitpunkten Vermögen und Umsätze vom aktuellen Jahr ins kommende verschoben werden.

Insgesamt können so die Bilanz-, Umsatz und sogar Mitarbeitergröße des Konzerns möglichst gering gehalten werden, was die notwendige Reduktion der Werte unter die Schwellenwerte drücken kann und damit die Pflicht zur Konzernrechnungslegung für das aktuelle und ggf. auch für weitere Jahre verhindert.

Gleichwohl ist für die interne Steuerung und auch die Kapitalgeber ein Blick auf den gesamten Unternehmensverbund natürlich überaus sinnvoll und notwendig, so dass mit diesen Maßnahmen nicht auch z. B. die Entscheidungsbasis für die Unternehmensführung verschlechtert wird und damit Wachstumschancen nicht genutzt werden können oder Risiken zu spät gesehen werden.

Prof. Dr. Stefan Müller, Hamburg

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