| OFD Kommentierung

Informationslücken in E-Bilanzen: Finanzämter beklagen zusätzlichen Ermittlungsaufwand

Voreinstellungen in der Übermittlungssoftware überprüfen!
Bild: Michael Bamberger

Wo sind die Kontennachweise und Anlagespiegel geblieben? Diese Frage scheinen sich viele Finanzämter in NRW bei der Bearbeitung von E-Bilanzen zu stellen. Eine neue Verfügung der OFD NRW zeigt, dass der Grund für den geringeren Informationsgehalt der elektronischen Daten wohl nicht im fehlenden Kooperationswillen von Unternehmen und Beraterschaft liegt. Die Ursache scheint viel profaner zu sein.

Bilanzierende Unternehmen sind mittlerweile verpflichtet, den Inhalt ihrer Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung auf elektronischem Wege beim Finanzamt einzureichen (§ 5b Abs. 1 EStG). Die E-Bilanz muss erstmals für Wirtschaftsjahre übermittelt werden, die nach dem 31.12.2011 beginnen.

E-Bilanzen haben geringeren Informationsgehalt

Nachdem Unternehmen, Beraterschaft und Finanzverwaltung die ersten Praxiserfahrungen mit der E-Bilanz gesammelt haben, weist die Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen (OFD) in einer aktuellen Verfügung darauf hin, dass viele Ämter eine geringere Informationsdichte von E-Bilanzen gegenüber den bisherigen Papier-Jahresabschlüssen beklagen. Demnach mussten die Ämter oftmals weiteren Ermittlungsaufwand betreiben und Kontennachweise bzw. Anlagespiegel und Anlageverzeichnisse nachfordern.

Die Ursache des Problems scheint nach der Verfügung allerdings meist nicht in der fehlenden Bereitschaft von Unternehmen und Beratern zu liegen, detailliertere Informationen an die Ämter zu liefern. Kernproblem scheint vielmehr zu sein, dass Voreinstellungen in der genutzten Software den Detailgrad der zu übermittelnden Informationen (ungewollt) herunterschrauben.

Hinweis: Unternehmen und Steuerberater sind also gefordert, die Voreinstellungen ihrer Übermittlungssoftware zu überprüfen und dem Programm gegebenenfalls eine höhere Informationsdichte bei der Datenübermittlung vorzuschreiben. Da so spätere Rückfragen der Finanzämter vermieden werden können, verkürzt sich die Bearbeitungszeit der Erklärung – was häufig im Interesse aller Beteiligten liegt.

Problem soll kommuniziert werden

Die OFD regt an, dass die Ämter auf diese Problematik im Rahmen von Klimagesprächen mit Steuerberatern hinweisen und auf eine zusätzliche Übermittlung von Kontennachweisen/Anlagespiegeln und -verzeichnissen hinwirken.

Derzeitige Übermittlungsmöglichkeiten reichen aus

Die OFD weist weiter darauf hin, dass die bestehenden elektronischen Übermittlungsmöglichkeiten einer besseren Datenqualität nicht im Wege stehen. Denn mit dem bereitgestellten Datenschema zur E-Bilanz wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sowohl die gesetzlich verpflichtend zu übermittelnden Daten als auch die bisher auf freiwilliger Basis eingereichten Unterlagen elektronisch an die Finanzämter versandt werden können. Das technische Verfahren bietet die Möglichkeit, sowohl Kontennachweise als auch gem. § 60 Abs. 3 EStDV einzureichende Unterlagen (Anhang, Lagebericht, Prüfungsbericht) in elektronischer Form zu übermitteln.

Vorgehen bei Informationslücken

Die OFD weist ihre Ämter darauf hin, dass sie fehlende Unterlagen (insbesondere Auszüge aus dem Buchführungswerk und Kontennachweise) auch bei lückenhaften E-Bilanz-Daten aufgrund des Amtsermittlungsgrundsatzes des § 88 AO nachfordern können. Sofern Kontennachweise (auch nur teilweise) fehlen, sollen die Ämter die Unternehmen bzw. Berater um eine erneute detailliertere elektronische Übermittlung der E-Bilanz-Daten bitten. Da es sich hierbei lediglich um eine detailliertere Darstellung zu Erläuterungszwecken handelt, muss die Vorschrift des § 4 Abs. 2 EStG zu Bilanzberichtigungen und -änderungen in diesen Fällen nicht beachtet werden.

Darstellung der Übermittlungspflichten

In einem weiteren Teil der Verfügung geht die OFD noch auf die geltenden Übermittlungspflichten ein, die an dieser Stelle nicht gesondert dargestellt werden.

OFD Nordrhein-Westfalen, Verfügung v. 18.12.2014, S 2133b - 2014/0009 - St 145; www.esteuer.de

Schlagworte zum Thema:  E-Bilanz, Finanzamt, Gewinn- und Verlustrechnung

Aktuell

Meistgelesen