| LfSt Kommentierung

Auswirkungen günstiger Onlinekonditionen bei Arbeitgeberdarlehen

Günstige Onlinezinssätze gehen je nach Bewertungsmethode unterschiedlich in die Vorteilsberechnung ein
Bild: Haufe Online Redaktion

In Vergleichsportalen im Internet bieten viele Banken ihren Kunden günstigere Darlehenskonditionen an als vor Ort in ihren Filialen. Das BayLfSt erklärt, wie diese verbilligten Onlinekonditionen bei der Bewertung geldwerter Vorteile aus Arbeitgeberdarlehen berücksichtigt werden können.

Überlässt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein Darlehen zu vergünstigten Konditionen, löst dieser Vorgang auf Seiten des Arbeitnehmers regelmäßig einen (lohn-)steuerpflichtigen geldwerten Vorteil aus. Wie dieser Sachbezug steuerlich zu erfassen ist, hat das BMF bereits ausführlich mit Schreiben vom 19.5.2015 (BStBl. 2015 I, S. 484) dargestellt. Ergänzend widmete sich nun das Bayerische Landesamt für Steuern (BayLfSt) mit Verfügung vom 7.7.2015 der Frage, wie sich verbilligte Onlinekonditionen der Banken auf die Berechnung des geldwerten Vorteils auswirken.

Das BayLfSt weist darauf hin, dass Banken ihre (Bau-)Finanzierungen in Internet-Vergleichsportalen in der Regel günstiger anbieten als in der Bankfiliale vor Ort. Die Dienstleistung der Portale besteht dabei ausschließlich darin, die (Bau-)Finanzierung zu vermitteln. Der Darlehensvertrag wird weiterhin direkt zwischen Bank und Kunde abgeschlossen.

Nach der Weisung des BayLfSt haben Banken ihren Mitarbeitern bislang in der Regel nur einen Nachlass von 4 % auf ihre Standardkonditionen („Offline-Konditionen“) eingeräumt und wollen nun dazu übergehen, ihnen die günstigeren Onlinekonditionen aus Vermittlungsportalen zu gewähren. Hierbei ziehen die Banken die aktuellen Konditionen heran, die sie einem Portalkunden für ein vergleichbares Darlehen unter den gleichen Bedingungen (Darlehenshöhe, Beleihungswert, Tilgung etc.) gewähren würden. Ein weiterer Preisnachlass kommt dabei nicht zum Abzug.

(Lohn-)Steuerliche Behandlung

Nach der Weisungslage des BMF kann der Zinsvorteil aus Arbeitgeberdarlehen entweder nach den Regeln zur 44-EUR-Freigrenze (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) oder nach den Regeln zum Rabattfreibetrag (§ 8 Abs. 3 EStG) ermittelt werden. Dieses Wahlrecht besteht sowohl im Lohnsteuerabzugsverfahren als auch in der Einkommensteuerveranlagung.

Hinweis: Der Arbeitnehmer kann in seiner Einkommensteuererklärung zu einer (günstigeren) Besteuerung nach der 44-EUR-Freigrenze wechseln, wenn sein Arbeitgeber zuvor im Lohnsteuerabzugsverfahren eine Bewertung nach den Regeln zum Rabattfreibetrag vorgenommen hat. Dieser Wechsel lohnt häufig, wenn hohe Rabatte zwar nicht vom Arbeitgeber selbst, wohl aber auf dem freien Markt gewährt werden.

Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG (Rabattfreibetrag)

Wird die Bewertung nach den Regelungen zum Rabattfreibetrag gewählt, lässt sich als Ausgangswert für die Vorteilsermittlung der Preis zugrunde legen, zu dem der Arbeitgeber (die Bank) die konkrete Ware oder Dienstleistung (das Darlehen) fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr am Ende von Verkaufsverhandlungen durchschnittlich anbietet. Von diesem Angebotspreis kann noch der gesetzliche Bewertungsabschlag von 4 % abgezogen werden; erst dann findet der Rabattfreibetrag von 1.080 EUR Anwendung.

Das BayLfSt weist darauf hin, dass auch die günstigen Onlinekonditionen aus Vermittlungsportalen in die Berechnung der Vergleichskonditionen einfließen dürfen – allerdings nicht in der Weise, dass ein Durchschnitt ausschließlich aus Onlineangeboten der Bank gebildet wird oder gar die absolut günstigsten Konditionen berücksichtigt werden. Vielmehr muss zur Ermittlung des Vergleichswerts ein Gesamtdurchschnittswert aus Online- und Vor-Ort-Konditionen der Bank gebildet werden.

Hinweis: Einfließen dürfen hierbei nicht die fiktiven Konditionen, die einem Online-Kunden für ein vergleichbares Darlehen gewährt worden wären, sondern nur die Konditionen, die das Kreditinstitut fremden Dritten tatsächlich gewährt hat.

Der ermittelte Durchschnittswert ist der Endpreis i. S. d. § 8 Abs. 3 EStG, der noch um den gesetzlichen Bewertungsabschlag von 4 % gemindert werden darf. Der so errechnete Geldwert des Sachbezugs ergibt abzüglich des vom Arbeitnehmer tatsächlich gezahlten Darlehenszinses den Arbeitslohn. Dieser ist insoweit steuerpflichtig, wie er den Rabatt-Freibetrag von 1.080 EUR pro Jahr übersteigt.

Das BayLfSt weist darauf hin, dass der Arbeitgeber die Unterlagen zum ermittelten Endpreis aufbewahren, die Berechnung des Zinsvorteils dokumentieren und sämtliche Belege zum Lohnkonto des Arbeitnehmers nehmen muss. Auf Verlangen muss er dem Arbeitnehmer die angesetzten Werte zudem mitteilen.

Bewertung nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG (44-EUR-Freigrenze)

Wählt der Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmer die Vorteilsversteuerung nach den Regeln zur monatlichen 44-EUR-Freigrenze (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG), muss er als Vergleichswert den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort ansetzen (abzüglich eines pauschalen 4 %-igen Abschlags nach R 8.1 Abs. 2 Satz 3 LStR). Im Zuge dieser Bewertung ist es zulässig, lediglich die durchschnittlichen Konditionen von Darlehen aus Vermittlungsportalen oder sogar die absolut günstigsten Konditionen eines einzelnen vergleichbaren Darlehens heranzuziehen. Ein pauschaler Abschlag von 4 % kann dann jedoch nicht mehr abgezogen werden. Anders als bei den Regeln zum Rabattfreibetrag dürfen für die Vergleichswertermittlung auch die fiktiven Konditionen herangezogen werden, die einem Kunden in einem Vermittlungsportal gewährt worden wären, auch wenn tatsächlich kein Darlehen zustande gekommen ist. 

Hinweis: Im Zuge dieser Bewertungsregel ist es somit möglich, auf Vergleichswerte aus einer einfachen Internetrecherche zurückzugreifen.

Auch bei der Bewertung nach den Regeln zur 44-EUR-Freigrenze muss der Arbeitgeber die Unterlagen zum ermittelten Endpreis aufbewahren, die Berechnung der Zinsvorteile dokumentieren, sämtliche Belege zum Lohnkonto nehmen und dem Arbeitnehmer die Daten auf Verlangen formlos mitteilen.

Überprüfung von Anrufungsauskünften

Abschließend weist das BayLfSt darauf hin, dass die Finanzämter bereits erteilte Anrufungsauskünfte anhand der vorgenannten Bewertungsmaßstäbe überprüfen sollen. Soweit die Auskünfte hiervon abweichen, sollen die Ämter sie mit Wirkung für die Zukunft ändern.

Fazit

Günstige Onlinezinssätze aus Vergleichsportalen gehen also je nach Bewertungsmethode  unterschiedlich in die Vorteilsberechnung ein: Während sie bei einer Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG lediglich den Gesamtdurchschnitt senken, der sich aus den tatsächlich gewährten Offline- und Online-Konditionen der jeweiligen Bank ergibt, kann bei einer Bewertung nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG die günstigste nachgewiesene Marktkondition aus dem Internet angesetzt werden.

BayLfSt, Verfügung v.7.7.2015, S 2334.2.1 – 84/16 St 32

Schlagworte zum Thema:  Darlehen, Arbeitgeber, Zinsen, Internet

Aktuell

Meistgelesen