| Deutsche Steuer-Gewerkschaft

Deutschlands Finanzbeamte befürchten sinkende Steuermoral

Anfang vom Ende der Steuermoral?
Bild: Haufe Online Redaktion

Deutschlands Finanzbeamte müssen mit weniger Personal immer mehr Steuervorschriften umsetzen und fühlen sich damit überlastet.

Die komplizierte Rechtslage und ständig neue Änderungen überforderten nicht nur die Bürger, sondern verlangten auch der Verwaltung zu viel ab, beklagte der Vorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), Thomas Eigenthaler, am Mittwoch in Münster. Das führe zu "chaotischen Zuständen".

Den Prüfern bleibe wegen der "immensen Arbeitsverdichtung in den Finanzämtern" nichts anderes übrig, als Steuererklärungen manchmal einfach «durchzuwinken», sagte der Spitzenvertreter von rund 70.000 Kräften im Steuerwesen. "Da hilft oft nur: Augen zu und durch."

Durch Mängel in der Steuererhebung könne sich ein ehrlicher Bürger benachteiligt fühlen und das Gefühl der Steuergerechtigkeit verlieren, räumte Eigenthaler ein. "Und wenn Steuerhinterzieher sich zudem zu sicher fühlen, dann ist das der Anfang vom Ende der Steuermoral", sagte er. "Wenn im Straßenverkehr nicht ausreichend kontrolliert wird, (...) läuft auch jeder kreuz und quer", zog der Gewerkschafter einen Vergleich.

Bundesweit fehlen nach Angaben der Steuer-Gewerkschaft rund 10.000 Stellen in der Steuerverwaltung. Es mangele auch an Betriebsprüfern. Bei Firmen könne es daher vorkommen, dass sie bis zu 15 Jahre nicht kontrolliert würden, sagte der Bundesvorsitzende. Zudem werde das Personal in der Steuerverwaltung immer älter, der Nachwuchs bleibe aus. Gleichzeitig falle mehr Arbeit an, etwa durch neue Regeln im Steuerrecht wie die Besteuerung der Alterseinkünfte, die Senioren betrifft. Diese hätten einen sehr hohen Beratungsbedarf.

Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft vertritt die Interessen der Beschäftigten in der Finanzverwaltung. In ihr sind Beamte und Angestellte der Steuerverwaltungen von Bund und Ländern organisiert. An der bis Donnerstag dauernden zweitägigen Bundeskonferenz in Münster nehmen rund 400 Delegierte teil.

Schlagworte zum Thema:  Finanzverwaltung, Steuerhinterziehung

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