28.10.2011 | Versicherungen & Beiträge

Renten steigen 2012 deutlich - Beitragssatz sinkt leicht

Mit einem so satten Zuschlag hat wohl kein Rentner gerechnet, wie er sich für nächstes Jahr abzeichnet. Auch die Beitragszahler profitieren von der günstigen Entwicklung - und werden 2012 etwas weniger als bisher in die Rentenkasse einzahlen müssen.

Den rund 20 Millionen Ruheständlern winkt im kommenden Jahr eine überraschend deutliche Rentenerhöhung. Im Westen ist mit einem Plus von knapp 2,3 % zu rechnen, im Osten mit 3,2 % mehr. Dies kündigte der Präsident der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Herbert Rische, am 27.10.2011 in Würzburg an.

Bei hoher Rücklage muss Rentenbeitrag gesenkt werden

Er bezog sich dabei auf Berechnungen der Fachleute im sogenannten Schätzerkreis. Zugleich stellte Rische eine Senkung des Rentenbeitragssatzes von derzeit 19,9 auf 19,6 % Anfang 2012 in Aussicht.

Damit profitieren Beschäftigte und Arbeitgeber von den zuletzt deutlichen Einnahmeüberschüssen der Rentenkassen. Nach den Worten Risches werden sie um jeweils 1,4 Mrd. EUR entlastet. Nach dem Gesetz muss der Beitragssatz gesenkt werden, wenn die Rücklagen das Anderthalbfache einer Monatsausgabe übersteigen. Dies zeichnet sich für 2012 ab.

Rentensystem ist gesund

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, auch wenn genaue Zahlen noch nicht vorlägen, sei doch absehbar, dass alle Rentner "im kommenden Jahr vom Aufschwung profitieren und deutlich mehr Rente erhalten". Es sei eine "doppelt gute Nachricht", dass zugleich die Beiträge für die junge Generation sinken. Dies zeige: "Unser Rentensystem ist kerngesund und sorgt für einen fairen Ausgleich zwischen den Generationen."

Während die Beitragssatzermäßigung praktisch unter Dach und Fach ist, steht die Rentenanpassung zum 1.7.2012 erst im kommenden Frühjahr endgültig fest. Erst dann liegen alle für die Berechnung erforderlichen Wirtschaftsdaten vor. Sollten sich die Prognosen bestätigen, erhielte ein Standardrentner nach 45 Beitragsjahren im kommenden Jahr einen Zuschlag von monatlich knapp 28,50 EUR im Westen und rund 35 EUR im Osten.

Positive Lohnentwicklung ist Grund für Rentenzuschlag

2011 hatten sich die Rentner mit einer bescheidenen Erhöhung von 1 % zufriedengeben müssen. 2010 hatte es als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise noch eine Renten-Nullrunde gegeben. Die Renten orientieren sich jeweils an der Lohnentwicklung des Vorjahres.

Möglich wird der überraschend hohe Rentenzuschlag deshalb vor allem durch die aktuell gute Lohnentwicklung mit plus 3,2 Prozentpunkten im Westen und 3,3 Punkten im Osten, sagte Rische. Die Beitragssenkung wird begünstigt durch den sich für 2011 abzeichnenden Überschuss von 4,4 Mrd. EUR in der Rentenkasse. Deren Rücklagen erreichen damit zum Jahresende fast 24 Mrd. EUR. Das entspricht 1,38 Monatsausgaben.

Weitere Beitragssenkungen und Rentenanpassungen in Aussicht

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Beitragssenkung, wenn die Rücklagen das 1,5-fache einer Monatsausgabe übersteigen. Dies ist 2012 zu erwarten. Der DRV-Präsident sieht mittelfristig neue Spielräume für weitere Ermäßigungen beim Beitragssatz: Dieser könnte nach den aktuellen Rahmendaten der Bundesregierung in zwei Schritten bis 2014 sogar bis auf 19,1 % sinken.

Zugleich seien "durchaus positive Rentenanpassungen" in nächster Zeit zu erwarten, zeigte sich Rische optimistisch. Dies allerdings unter der Voraussetzung, "dass die erneuten Erschütterungen der Finanzmärkte den Arbeitsmarkt nicht in größere Mitleidenschaft ziehen".

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