04.03.2013 | Aufwandsentschädigung

Pauschalen für Übungsleiter und Ehrenamtliche rückwirkend höher

Bundesregierung fördert das Ehrenamt durch höhere Pauschalen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die pauschale Aufwandsentschädigung für Übungsleiter und im Ehrenamt wird rückwirkend ab 1.1.2013 erhöht. Nun kann ein höherer Betrag steuer – und beitragsfrei gezahlt werden. Das gibt mehr Spielraum in der Entgeltabrechnung - insbesondere bei Minijobs.

Die Freibeträge für die Übungsleiterpauschale (neu: 2.400 EUR) und die Ehrenamtspauschale (neu: 720 EUR) wurden um 220 bzw. 300 EUR angehoben. Der Bundesrat stimmte am 1.3.2013 dem Gesetz zur Entbürokratisierung des Gemeinnützigkeitsrechts (GemEntBG) zu. Die Regelung tritt am Tag nach Verkündung im Bundesgesetzblatt rückwirkend zum 1.1.2013 in Kraft.

Freibeträge für Übungsleiter und Ehrenamtliche

Rückwirkend ab 1.1.2013 beträgt die Ehrenamtspauschale 720 EUR und der Pauschalbetrag für Übungsleiter beläuft sich auf 2.400 EUR. Diese Beträge dürfen pro Jahr in den entsprechenden Tätigkeiten steuerfrei verdient werden (§ 3 Nrn. 26 und 26a EStG).

Von der Übungsleiterpauschale profitieren Nebenberufler

  • als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder einer vergleichbare Tätigkeit,
  • in einer künstlerische Tätigkeit, und
  • in der Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen.

Die Ehrenamtspauschale kommt für alle Tätigkeiten von Personen im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich in Betracht, die die Voraussetzungen für den Freibetrag von 2.400 EUR nur deshalb nicht erfüllen, weil sie keine pädagogisch ausgerichtete Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer ausüben.

Erhöhte Sozialversicherungsfreiheit gilt nur für die Zukunft analog

Wird die nebenberufliche Tätigkeit in einem Beschäftigungsverhältnis ausgeübt, wirkt die Steuerfreiheit auch für die Sozialversicherung. Durch die übereinstimmende Regelung sind 720 EUR bzw. 2.400 EUR sozialversicherungsfrei.

Allerdings gilt in der Sozialversicherung keine Rückwirkung der höheren Beträge zum 1.1.2013. Dort gilt das Entstehungsprinzip. Die Beiträge wurden bereits zum Zeitpunkt als sie fällig waren, z. B. im Januar 2013, nach dem damals geltenden Recht beurteilt. Und beitragsrechtlich ändert sich sich rückwirkend nichts. Das GemEntBG tritt (genau genommen) ja auch erst ab Tag nach Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

Tipp: Arbeitgeber können jedoch auf eine andere Gestaltungsmöglichkeit zurückgreifen. Der Erhöhungsbetrag von 25 EUR monatlich für einen Übungsleiter kann in die Monate nach der Verkündung des Gesetzes verlagert werden, um den maximal beitragsfreien (Jahres-)Betrag von 2.400 EUR auszunutzen. Zu beachten wäre dann allerdings, dass ab 1.1.2014 der Betrag bei monatlicher Zahlungsweise wieder auf höchstens 200 EUR angepasst wird.

Monatliche Pauschalbeträge in der Sozialversicherung

In der Steuer gilt ein steuerfreier Jahresbetrag. Dieser kann in der Sozialversicherung bei ganzjährigen Beschäftigungen im Interesse einer kontinuierlichen versicherungsrechtlichen Beurteilung als entsprechender monatlicher Freibetrag angesetzt werden. Der Monatsbetrag beträgt bei der Übungsleiterpauschale monatlich 200 EUR und bei der Ehrenamtspauschale monatlich 60 EUR, sofern die Beschäftigung ganzjährig ausgeübt wird. Bei Aufnahme oder Beendigung einer Beschäftigung im Laufe eines Kalenderjahrs kann monatlich ein entsprechend höherer Betrag als Aufwandsentschädigung berücksichtigt werden.

Beispiel

Herr M. nimmt am 1.7.2013 erstmals eine Übungsleitertätigkeit auf. Er erhält eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 400 EUR.

Lösung: Der jährliche Steuerfreibetrag in Höhe von 2.400 EUR für 2013 ist auf nur 6 Monate aufzuteilen. Daher kann monatlich ein Betrag von 400 EUR für die Zeit vom 1.7. bis 31.12.2013 angesetzt werden.

Aber: Zum 1.1.2014 müsste die Vergütung auf  200 EUR monatlich angepasst werden, da bei geplanter ganzjähriger Fortsetzung der Tätigkeit nur monatlich 200 EUR nicht als Entgelt im Sinne der Sozialversicherung gelten.

Auswirkungen bei Minijobs

Die Pauschalen gelten bis zur genannten Höhe nicht als Entgelt im Sinne der Sozialversicherung. Sie sind folglich bei der versicherungsrechtlichen Beurteilung von geringfügig entlohnten Beschäftigungen nicht zu berücksichtigen. Durch die zum 1.1.2013 wirksam gewordene höhere Entgeltgrenze für Minijobs von 450 EUR monatlich ist bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen im Rahmen einer steuerlich begünstigten Tätigkeit als Übungsleiter künftig ein Entgelt von monatlich bis zu 650 EUR möglich (450 EUR Geringfügigkeitsgrenze + 200 EUR Steuerfreibetrag). Da der Steuerfreibetrag in Höhe von 200 EUR nicht als Entgelt gilt, sind die vom Arbeitgeber für den Minijobber zu tragenden Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung (Pauschalbeiträge bzw. Arbeitgeberanteil bei Rentenversicherungspflicht) lediglich aus dem Entgelt bis maximal 450 EUR zu entrichten.

Schlagworte zum Thema:  Übungsleiterpauschale, Ehrenamtspauschale, Aufwandsentschädigung, Minijob

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