20.01.2012 | Versicherungen & Beiträge

Minijobs sind meist eine Sackgasse

Minijobs entwickeln sich Studien zufolge zunehmend zur Niedriglohnfalle. Vor allem Frauen und Hartz-IV-Empfänger werden dabei durchweg schlechter bezahlt als andere Beschäftigte.

Dies ergaben Untersuchungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (HBS), die am 19.1.2012 in Berlin vorgestellt wurden. Unternehmen nutzten Minijobs ganz offensichtlich systematisch dazu, um Personalkosten zu drücken.

Hartz IV-Bezieher sind die großen Verlierer

Fast 90 % der Minijobber werden demnach mit Niedriglöhnen abgespeist. Beschäftigte, die gleichzeitig Hartz IV beziehen, verdienen besonders wenig. "Die Unterschiede sind deutlich", sagte HBS-Arbeitsmarktexperte Alexander Herzog-Stein. 58 % der 1,2 Mio. Beschäftigten, die in Deutschland weniger als 5 EUR die Stunde erhielten, arbeiteten in Minijobs.

Jede 5. Beschäftigung ist ein Minijob

Für HBS-Expertin Dorothea Voss sind Minijobs "ein Schlupfloch zur Umgehung gesetzlicher und tariflicher Bestimmungen". Sie sprach von einer Niedriglohnfalle. Ihre Kollegin Christina Klenner sagte, Minijobs seien - entgegen weit verbreiteter Meinung - nur für eine Minderheit von Frauen ein Hinzuverdienst. Für 3,2 Mio. Frauen sei diese Beschäftigung die einzige Erwerbsquelle. Minijobs seien auch nur in 9 % der Fälle eine Brücke in reguläre Beschäftigung. Im Frühjahr 2011 war den Angaben zufolge jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis in Deutschland ein Minijob bis 400 EUR - rund 7,3 Mio. insgesamt.

Minijobs abschaffen?!

Minijobber müssen selber keine Steuern und Sozialabgaben abführen, erwerben aber auch keine oder nur geringe Ansprüche an die Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung. Aus Sicht der Wissenschaftler müssen Minijobs abgeschafft werden, da die Regelungen von den Arbeitgebern missbraucht und die Betroffenen am Arbeitsmarkt diskriminiert würden.

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