Minijob und Midijob im Vergleich

Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro angehoben. Dies bedeutete für viele 450-Euro-Minijobs erneut eine Reduzierung der zulässigen Stundenzahl. Eine für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktive Alternative kann ein Midijob sein. Ein Vergleich.

Der Midijob beginnt da, wo der Minijob aufhört. Dafür genügt es bereits, durchschnittlich einen Cent mehr als 450 Euro monatlich zu verdienen. Ist der Übergang von einem - mit Ausnahme in der Rentenversicherung - sozialversicherungsfreien Minijob in einen sozialversicherungspflichtigen Midijob nicht gewollt, muss die Stundenzahl an den Stundenlohn angepasst werden. Dabei ist der Midijob für Arbeitgeber sogar kostengünstiger und auch Arbeitnehmer profitieren von günstigen Abgaben bei vollem Sozialversicherungsschutz.

450-Euro-Minijob: Kosten trägt in der Regel allein der Arbeitgeber

Eine sogenannte geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das durchschnittliche Arbeitsentgelt im Monat maximal 450 Euro beträgt. Das entspricht seit dem 1. Januar 2020 einer monatlichen Arbeitszeit von 48 Stunden, sofern nur der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro gezahlt wird. Bei höheren Stundenlöhnen ergeben sich auch weniger Arbeitsstunden. Die Abgaben des Arbeitgebers für einen Minijob zur Minijob-Zentrale belaufen sich auf 28 Prozent (13 Prozent Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung, 15 Prozent Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung). Der Arbeitnehmer hat Abzüge zur Rentenversicherung in Höhe von 3,6 Prozent, sofern er sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt.

Mit Ausnahme in der Rentenversicherung begründet der 450-Euro-Minijob keinen Versicherungsschutz für den Arbeitnehmer.

Midijob: Arbeitgeber trägt nur Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag

Midijobs sind Beschäftigungen im sogenannten Übergangsbereich. Dieser beginnt bei einem Arbeitsentgelt von durchschnittlich mehr als 450 Euro monatlich und endet, wenn der Arbeitnehmer durchschnittlich mehr als 1.300 Euro im Monat verdient. Die Beitragsbelastung für Arbeitgeber bei Midijobs beläuft sich auf weniger als 20 Prozent, weil er sich nur zur Hälfte am Gesamtsozialversicherungsbeitrag (KV ohne Zusatzbeitrag: 14,6 Prozent; KV-Zusatzbeitrag abhängig von Krankenkasse, aber durchschnittlich: 1,1 Prozent; RV: 18,6 Prozent; AloV: 2,4 Prozent; PV: 3,05 Prozent) beteiligen muss. 

Midijob: Günstige Belastung für Arbeitnehmer bei vollem SV-Schutz 

Midijobs sind sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer eines Midijobs den vollen Schutz in der Sozialversicherung genießen. Sie sichern sich also nicht nur, wie bei einem 450-Euro-Minijob, Ansprüche in der Rentenversicherung, sondern können insbesondere auch das volle Leistungspaket in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Zudem profitieren Arbeitnehmer im Übergangsbereich von günstigeren Beiträgen, da diese nach einer besonderen Formel ermittelt werden. Dieses Rundum-sorglos-Paket ist bei vergleichsweise geringen Abgaben bereits ab einem regelmäßigen Entgelt von 450,01 Euro monatlich zu haben.

Minijob oder Midijob: Vergleich der Abgaben 

Vergleicht man die Abgaben eines für Minijobs maximal zulässigen Durchschnittsentgelts von 450 Euro mit denen eines Midijob in der unteren Entgeltskala von 451 Euro, ergeben sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer folgende Beitragsbelastungen:

Beitragsbelastungen Arbeitgeber:
Minijob:     450 Euro x 28 Prozent = 126 Euro
Midijob:     451 Euro x  19,875 Prozent = 89,63 Euro 

Beitragsbelastungen Arbeitnehmer:
Minijob:     450 Euro x 3,6 Prozent = 16,20 Euro
Midijob:     451 Euro x Berechnungsformel im Übergangsbereich = 45,83 Euro

Steuerpflicht von Mini- und Midijobs

Mini- und Midijobs sind steuerpflichtig. Während der Arbeitgeber bei einem 450-Euro-Minijob die Lohnsteuer in der Regel pauschal mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz von zwei Prozent erhebt und zusammen mit dem Sozialversicherungsbeiträgen an die Minijob-Zentrale abführt, wird die Lohnsteuer bei Midijobs nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Steuerklassen) erhoben. Die Steuern bei Midijobs werden dem Arbeitnehmer vom Arbeitsentgelt abgezogen. Allerdings ergibt sich aufgrund der Steuerprogression bei den Steuerklassen I bis IV erst bei Arbeitsentgelten oberhalb von 1.000 Euro monatlich ein Steuerabzug für den Arbeitnehmer. Bei den Steuerklassen V und VI werden Arbeitnehmer hingegen bereits im Eingangsbereich der Midijobs, also bei einem Arbeitsentgelt ab 450,01 Euro, mit Steuern belastet.

Gleiche Arbeitsrechte für Mini- und Midijobs

Minijobber sind arbeitsrechtlich keine Arbeitnehmer zweiter Klasse. Für sie gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Demnach dürfen Arbeitgeber ihre Minijobber nicht schlechter behandeln als vergleichbare Arbeitnehmer, die mehr arbeiten. Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt nur dann nicht, wenn sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung (z. B. Arbeitsleistung, Qualifikation, Berufserfahrung und unterschiedliche Arbeitsplatzanforderungen) vorliegen. Minijobber haben beispielsweise einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für sechs Wochen oder auf bezahlten Urlaub für mindestens 24 Arbeitstage. 

Fazit des Vergleichs von Mini- und Midijob

Der Midijob als Einstieg in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung rechnet sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Arbeitgeber profitieren von den im Vergleich zum Minijob prozentual günstigeren Abgaben. Arbeitnehmer werden für den vollen Sozialversicherungsschutz nicht übermäßig stark belastet, so dass bei einer günstigen Steuerklasse auch genug netto vom brutto übrig bleibt. Damit lassen sich auf den ersten Blick auch keine Gründe ausmachen, warum bei einer Erhöhung des Mindestlohns die Reduzierung der Arbeitszeit für die Beibehaltung eines Minijobs dem höheren Arbeitsentgelt für den Übergang in einen Midijob vorgezogen werden sollte. 


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