02.01.2014 | Zusatzbeiträge

Sie werden kommen: Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen

Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zusatzbeiträge gehörten eigentlich der Vergangenheit an. Jetzt sollen die Aufschläge wieder fällig werden und zwar auf breiter Front. So steht es im Koalitionsvertrag! Was heißt dies jetzt genau?

Mehr Wettbewerb brauche das deutsche Gesundheitssystem, sagte Hermann Gröhe. «Mehr Wettbewerb zeigt sich auch darin, dass die einen Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben, andere nicht.» Das war im Januar 2010, der CDU-Generalsekretär verteidigte damals die Folgen der damals jüngsten Gesundheitsreform. Nun kommt es auf den 52-Jährigen als Gesundheitsminister zu, mit einer neuen Reform eine Wende hinzulegen: Die Versicherten werden sich wohl an Zusatzbeiträge bei allen Kassen gewöhnen müssen. Deutlich teurer dürfte es werden.

Was sollen die Änderungen bezwecken - was kommt auf die Versicherten zu?

Als vor knapp 4 Jahren die DAK und einige andere Kassen als erste einen Zusatzbeitrag verlangten, brachte das Empörung und Erosionen. Es wurden zwar nur 8  Euro mehr pro Monat fällig - doch Hunderttausende Versicherte flohen zu anderen Anbietern. In Folge sparten viele Versicherungen, wo es ging. «Die Kassen wurden in einen Zusatzbeitrag-Vermeidungswettbewerb gezwungen», sagt AOK-Chef Jürgen Graalmann. 2 Jahre später war der Spuk vorbei - die gute Konjunktur und ein hoher Beitragssatz von 15,5 % spülten Milliarden in die Krankenversicherung. Zusatzbeiträge wurden gestrichen.

Warum geht es mit den Extra-Aufschlägen für die Versicherten bald wieder los?

Erstens schont die Politik die Wirtschaft: Union und SPD wollen daran festhalten, dass der Arbeitgeberanteil auf 7,3 % fixiert bleibt. Zweitens wird Gesundheit weiter teurer. «Die Ausgaben der Krankenkassen sind in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich mehr als 3 % pro Jahr angestiegen», sagt der Präsident des Bundesversicherungsamts, Maximilian Gaßner. Die Einnahmenbasis um weniger als 2 % - diese Schere bleibe wohl.

Wie hoch wird der Aufschlag werden?

Wenn Gröhe wie erwartet im neuen Jahr 2014 die schwarz-roten Ankündigungen umsetzt und die Reform dann 2015 kommt, erwarten Experten: Nahezu alle Kassen dürften einen Aufschlag von ungefähr 0,9 % des Einkommens nehmen. Große Mehrbelastungen sind das aber zunächst nicht. Denn zugleich wird ein 0,9 %-Sonderbeitrag für die Kassenmitglieder gestrichen. Doch ab 2016 dürfte der Aufschlag in die Höhe gehen. Schon 2017 nehmen einzelne Kassen dann wohl unter ein bis mehr als 2 % vom Einkommen - so schätzt es der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem.

Stürzt der Zusatzbeitrag die betroffenen Kassen wieder in Turbulenzen - droht ein Exodus der Versicherten?

Wohl kaum. Denn er wird nicht mehr in festen, sofort erkennbaren Eurobeträgen fällig, sondern als Prozentsatz direkt vom Lohn abgezogen. «Die pauschalen Zusatzbeiträge sendeten ein starkes Preissignal», erklärt Wasem. «Bei den künftigen prozentualen Zusatzbeiträgen wäre ein Anstieg für die meisten weniger spürbar.» Und da dieses Mal wohl gleich alle Kassen mit einem Aufschlag am Start sind, fallen die Unterschiede nicht so auf. Gaßner sagt: «Zusatzbeiträge, die nur einzelne Krankenkassen erheben, treiben diese jedenfalls längerfristig ins wirtschaftliche Aus.»

Was ist für die Versicherten der Hauptunterschied zum alten Zusatzbeitrag?

Die Höhe des Prozent-Aufschlags hängt künftig direkt vom Einkommen ab. Wer mehr verdient, zahlt mehr. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schwärmt vom «historischen Ende der Kopfpauschale». Jahrelang hatten FDPund Teile der CDU auf vom Einkommen unabhängige Beiträge gesetzt.

Doch aus dem Schussfeld der Kritik kommen die Kassenfinanzen nicht. Für die neue gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, sind auch die schwarz-roten Reformpläne unsozial. «Das von der SPD gepriesene Ende der Kopfpauschale erweist sich im Konkreten als bittere Pille für die Versicherten», meint sie. «Wenn die Arbeitgeber nicht mehr an den steigenden Kosten beteiligt werden, kommen gerade auf kleine und mittlere Einkommensbezieher hohe Zusatzbeiträge zu.» Um bis zu 40 Euro könnten 2017 die Beiträge im Vergleich zu heute steigen.

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Schlagworte zum Thema:  Zusatzbeitrag, Wettbewerb, Krankenkasse

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