12.12.2011 | Versicherungen & Beiträge

Kassen schaffen Zusatzbeiträge ab - und rufen nach mehr Autonomie

Die noch gute Konjunktur und Einsparungen bei Arzneimitteln entspannen die Lage der Krankenkassen - sie schaffen ihre Zusatzbeiträge wieder ab. Doch der Aufschlag könnte in absehbarer Zeit wieder fällig werden.

Die letzten Krankenkassen, die noch einen Zusatzbeitrag erheben, wollen den Aufschlag wohl im 2. Quartal 2012 abschaffen. Nun wollen die Kassen wieder mehr Hoheit über ihre Beiträge insgesamt.

Die Pläne der Kassen

Bei der BKK Phoenix gebe es eine Beschlussvorlage, den Zusatzbeitrag zum 1.4.2012 abzuschaffen. Für die Mitglieder der BKK advita werde es ab dem 2. Quartal ebenfalls günstiger. Bei der BKK Hoesch wolle man bald entscheiden, ob die Pauschale erheblich verringert oder ganz abgeschafft werde. Bei der BKK Publik hieß es hingegen, noch sei nichts geplant.

Bereits die DAK und BKK Gesundheit hatten angekündigt, nach ihrer geplanten Fusion ihre Zusatzbeiträge zu streichen. Auch die KKH-Allianz und die Deutsche BKK wollen den Aufschlag nicht mehr verlangen.

Fallen die Zusatzbeiträge nur vorübergehend weg?

Die Finanzlage der Kassen hat sich wegen der noch guten Konjunktur und Spareffekten zuletzt stark verbessert. Nur wenn sie mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, müssen sie Zusatzbeiträge erheben. Die Kassen schlossen die ersten 9 Monate dieses Jahres mit einem Überschuss von rund 3,9 Mrd. EUR ab.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rechnet allerdings damit, dass Kassen den Zusatzbeitrag nach 2013 wieder erheben. Auf die Versicherungen kämen «erhebliche Mehrkosten» zu, sagte die Gesundheitsexpertin des Verbands, Ilona Köster-Steinbach, der Zeitung. "2014 wird der Beitrag wieder kommen."

Kassen wollen wieder mehr Autonomie bei den Beiträgen

Die Kassen wollen nach den Erfahrungen mit den Zusatzbeiträgen, die den Wettbewerb stark anheizen und betroffene Kassen stark belasten, wieder mehr Entscheidungsfreiheit über ihre Beiträge. "Wir wollen mehr individuelle Beitragsfreiheit für jede einzelne Krankenkasse, unabhängig davon, ob ein prozentualer oder ein Eurobeitrag die gesetzliche Vorgabe ist", sagte der Sprecher ihres Spitzenverbandes, Florian Lanz, der dpa. Mehr Entscheidungsfreiheit beim Beitrag könnten etwa Investitionen in neue Versorgungskonzepte erleichtern.

Auch Christoph Straub von der BARMER GEK forderte am 9.12.2011, dass die Krankenkassen die Beiträge wieder selbst erheben können. Derzeit gilt bundesweit ein einheitlicher Krankenkassenbeitrag von 15,5 % vom Bruttogehalt. Der BERMER GEK-Chef warnte davor, wegen des Milliarden-Überschusses im Gesundheitsfonds die Beiträge zu senken. Arzneimittel- und Krankenhausausgaben zögen wieder an.

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