21.12.2011 | Versicherungen & Beiträge

GKV: Ärger wegen steigender Verwaltungskosten

Stirnrunzeln lösen im Bundesgesundheitsministerium die Steigerungen bei den Verwaltungskosten aus. Einzelne Kassenarten werden öffentlich an den Pranger gestellt. Doch die Kassen wehren sich.

Ein Überschuss von rund 3 Mrd. EUR zeichnet sich für das Jahr 2011 in der gesetzlichen Krankenversicherung ab. Dabei sind die im 4. Quartal erfahrungsgemäß deutlich höheren Ausgaben bereits berücksichtigt. Die Gelder stecken allerdings im Gesundheitsfonds - weder Krankenkassen noch Arbeitgeber oder Versicherte haben direkt etwas davon.

Völlig in Ordnung findet das das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Das Ergebnis ist nach einer Pressemitteilung für ein nachhaltig finanziertes Gesundheitssystem „bei den derzeit geltenden Bedingungen“ ökonomisch sinnvoll und zugleich im Interesse der Versicherten. Was mit „besonderen Bedingungen“ gemeint ist, muss wohl das Geheimnis der Ministerialbeamten bleiben. Konjunkturell bedingte Einnahme- und Ausgaberisiken jedenfalls können nicht gemeint sein - die gibt es jedes Jahr aufs Neue.

Inakzeptable Steigerungen bei den Verwaltungskosten?

Weniger bedeckt hielt sich das Ministerium dann allerdings mit den Informationen zu den Kosten der Krankenkassen: Die Netto-Verwaltungskosten sind um 1,5 % je Versicherten gestiegen. Dabei, so ließ das BMG die Öffentlichkeit wissen, gäbe es jedoch deutliche Unterschiede bei den einzelnen Kassenarten. So lag die Spannbreite zwischen 0,6 % bei den AOKen und „völlig inakzeptablen“ 4,9 % Plus im Durchschnitt der IKKen. Welche Erklärung (etwa Mitgliederschwund?) es gäbe, müsse vorerst offen bleiben. Hier müsse es noch zu einer Abflachung kommen, forderte das Ministerium. Nicht ohne gleich im nächsten Satz nach der Aufsichtsbehörde zu rufen, die auf eine Einhaltung der geltenden Verwaltungskostenbegrenzung achten müsse.

Ursache sind gesetzliche Vorschriften

Die IKKen sehen sich zu Unrecht angeprangert. Der Geschäftsführer des IKK e.V., Jürgen Hohnl, zeigte sich in einem Schreiben an den Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr äußerst verärgert über die Art und Weise, wie die IKKen in der Pressemitteilung des BMG vorgeführt werden. Denn die Ursache liege an den Sonderausgaben, insbesondere an den Rückstellungen für Altersteilzeit und sonstige Altersversorgungsverpflichtungen. Dazu seien die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet worden. Das seien rund 12 Mio. EUR, die bei den Verwaltungskosten entsprechend stark zu Buche schlagen.

Verwaltungskosten günstiger als Bundesdurchschnitt

Verständlich, dass sich die IKKen wehren. Denn offensichtlich trifft sie die Verpflichtung zum Rücklagenaufbau stärker als die anderen Kassenarten. Hinzu kommt, dass die IKKen in der Vergangenheit immer unter dem GKV-Durchschnitt bei den Verwaltungskosten gelegen haben. So habe in den letzten 10 Jahren der durchschnittliche Zuwachs der Verwaltungskosten jährlich nur 2,53 % ausgemacht, im Gegensatz zu 2,94 % im Durchschnitt aller Kassen.

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