| Expertenprognose

Billionenloch im Krankenversicherungssystem

Experte wagt düstere Prognose für die Krankenversicherung
Bild: Haufe Online Redaktion

Die demografische Entwicklung könnte zu einer Katastrophe für die Krankenkassen werden, warnt ein Experte. Schäden am Krankenversicherungssystem müssen durch ein "Konzept der Generationengerechtigkeit" verhindert werden. Es gibt schon konkrete Ideen.

Ohne neue Geldquellen fehlen Deutschlands gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) bis zum Jahr 2060 rund 1128 Mrd. EUR. Nach Berechnung des Ökonomen Thomas Drabinski könne sich dieser Betrag sogar verdoppeln, wenn der heutige Versorgungsstandart gehalten werden solle, sagte der Leiter des Kieler Instituts für Mikrodaten-Analyse am 7.8.2013 in Berlin.

Ausgerechnet die Love-Generation hat zu wenige Kinder

Schnelle Lösungen müssen her - sowohl in der privaten Krankenversicherung (PKV) als auch in der GKV. Sonst drohe vor allem den geburtenstarken Jahrgängen der Jahre 1953 bis 1970 eine schlechtere medizinische Versorgung im Alter. "Die zukünftigen Gesundheitsausgaben der geburtenstarken Jahrgänge sind nicht abgesichert", sagte Drabinski.

Ein Grund hierfür sei unter anderem, dass die Jahrgänge 1953 bis 1970 zu wenig Kinder bekommen hätten. Das führt im Verhältnis zu immer weniger Beitragszahlern. "In 5 Jahren geht der erste geburtenstarke Jahrgang in Rente", warnte Drabinski.

Heute schon an Morgen denken: Rücklagen bilden

Bereits heute müsse bereits massiv Geld für die Versorgung von morgen zur Seite gelegt werden. "Es müssen Rücklagen gebildet werden, damit es in 20, 30 Jahren zur Verfügung steht", sagte Drabinski. Jährlich müsse ein Polster von rund 14 Mrd. EUR gebildet werden. Tatsächlich verfügen derzeit sowohl die GKV (s. News v. 7.3.2013), als auch die Pflegekassen (s. News v. 15.3.2013) und die Rentenversicherung (s. News v. 24.1.2013) über hohe Überschüsse.

Konkrete Vorschläge für GKV und PKV

Er will der Finanzierungslücke ein Konzept einer Generationengerechtigkeit entgegensetzen. Für die GKV schlägt er Kopfpauschalen und den Aufbau eines Kapitalstocks vor. Die PVK soll u. a. einen verbindlichen Mindesttarif, die Mitnahme von Altersrückstellungen für Bestandskunden und eine Senkung der Provisionen umsetzen. Daneben solle es mehr Eigenvorsorge, Zuschläge für Kinderlose sowie mehr Steuerzuschüsse geben.

PKV ist wichtiges Mittel gegen eine Einheitsversicherung

Die PKV hat im Krankenversicherungssystem für Drabinski eine zentrale Rolle. Denn nur durch sie könne ein einheitlicher Versicherungsmarkt, sprich eine Bürgerversicherung, verhindert werden. Denn ein einheitlicher Versicherungsmarkt brächte zwangsläufig Einschnitte in den Leistungskatalog der Krankenkassen.

Wichtig sei, dass die Gesundheitsinfrastruktur auf heutigen Niveau bleibt, um der demografischen Entwicklung zum Trotz die Menschen umfassend zu versorgen.

Schlagworte zum Thema:  Demografische Entwicklung, Gesetzliche Krankenversicherung, Private Krankenversicherung, Bürgerversicherung, Einheitskasse

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