13.12.2011 | Versicherungen & Beiträge

EU will höhere Hürden für die Pflegeausbildung durchsetzen

Deutschland wehrt sich gegen Pläne der EU-Kommission, künftig nur noch Abiturienten zu Pflegeberufen wie Krankenschwester, Krankenpfleger oder Hebamme zuzulassen.

Mit Blick auf drohende Engpässe beim Pflegepersonal sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) der Deutschen Presse-Agentur: "Wenn Hürden für den Start in die Pflegeausbildung zu hoch werden, darf sich niemand über Nachwuchsprobleme wundern. Auch ein Realschüler muss eine solide Chance bekommen, sich in einem Pflegeberuf zu beweisen. Wir wollen junge Menschen gewinnen, die Herzblut für einen helfenden Beruf zeigen."

Nur mit Abitur in die Pflegeausbildung?

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will am 20.12.2011 eine Novelle der Berufsanerkennungsrichtlinie vorlegen. Die Pflegeberufe hätten sich in den vergangenen 3 Jahrzehnten stark verändert. "Deshalb sollten die Eingangsbedingungen auf 12 Jahre Schulausbildung oder ein erfolgreich absolviertes gleichwertiges Examen angehoben werden", zitiert die Wirtschaftswoche aus der Richtlinie.

Die Chancen der Deutschen, sich durchzusetzen, sind gering. Denn 25 der 27 EU-Staaten schreiben bereits jetzt eine zwölfjährige Schulzeit als Voraussetzung für Pflegeberufe vor.

Höhere Zugangsvoraussetzungen treiben den Pflegenotstand voran

Der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer hatte Mitte vergangener Woche vor Engpässen beim Pflegepersonal in Deutschland durch die geplanten EU-Vorgaben gewarnt. "10 Jahre sind genug. Eine Akademisierung der Pflege halten wir für unnötig", betonte der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Gesprächen mit EU-Gesundheitskommissar John Dalli.

Laut Branchenverbänden fehlen bereits heute zehntausende Pflegekräfte in Deutschland. Dalli will bei Barnier intervenieren, doch die Erfolgsaussichten sind wohl gering.

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