27.09.2011 | Versicherungen & Beiträge

BMG stellt Gutachten zum RSA endlich online

Der Risikostrukturausgleich in der gesetzlichen Krankenversicherung hat Schwächen. Eine Risikoselektion lohnt sich für die Kassen noch immer. Ein Gutachten untermauert diese brisante Feststellung und wird nach monatelangem Verschluss jetzt veröffentlicht.

Der Wettbewerb unter den Krankenkassen ist politisch gewollt - unerwünscht aber die „Rosinenpickerei“ der Krankenkassen, die bevorzugt nur die Versicherte mit geringen Krankheitskosten umwerben.

Eine Risikoselektion sollte vermieden werden: Der Risikostrukturausgleich (RSA) wurde geschaffen. Im Morbi-RSA werden die finanziellen Zuteilungen an die Krankenkassen u.a. nach Alter, Geschlecht und rd. 80 festgelegten Erkrankungsbildern berechnet.

Das gesamte Verfahren ist sehr aufwändig, umständlich und schwerfällig. Union und FDP wollen nach ihrem Koalitionsvertrag das Verfahren vereinfachen.

Gutachten wurde lange nicht veröffentlicht

Um das ganze Vorhaben abzusichern, wurde der wissenschaftliche Beirat beim Bundesversicherungsamt um eine gutachterliche Stellungnahme zum RSA gebeten. Das Gutachten trägt das Datum vom 31.5.2011. Es ist jedoch erst jetzt vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlicht worden. Das BMG war aus gutem Grund zurückhaltend: Die Experten kommen nämlich nicht zu dem gewünschten Ergebnis!

In den letzten Wochen war der Ruf der Kassen nach einem offensiven Umgang mit dem Papier nicht länger zu überhören gewesen. Das BMG konnte sich nun wohl nicht länger widersetzen.

Kassen erhalten zuviel Geld für gesunde Versicherte

Das Gutachten stellt fest, dass die Zielgenauigkeit durch die Einführung des Morbi-RSA gute Ergebnisse bringt. Es besteht jedoch immer noch Verbesserungsbedarf bei Versicherten mit mehreren gleichzeitigen Erkrankungen (Multimorbidität) und Mitgliedern mit schwerwiegenden Erkrankungsbildern.

Für „gesunde“ Versicherte, die nur geringe Ausgaben verursachen, bestehen noch spürbare „Überdeckungen“. Für diese Personen erhalten die Krankenkassen also durchschnittlich zu hohe Summen aus dem Gesundheitsfonds zugewiesen.

Lohnender Wettbewerb um gesunde Kunden

Damit belegen die Wissenschaftler um ihren Vorsitzenden Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Wasem, was hinter vorgehaltener Hand schon länger von einigen Kassenvertretern behauptet wurde und die meisten Controller in den Kassen längst belegen können: Gesetzliche Krankenkassen können ihre wirtschaftliche Position noch immer durch eine gezielte Risikoselektion junger und gesunder Mitglieder verbessern.

Kassen wollen die Vorschläge schnell umsetzen

Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, das Verfahren zu vereinfachen. Stattdessen müssten aber dringend einige Maßnahmen nachjustiert werden! Die Vorschläge dazu liefern die Wissenschaftler gleich mit. Viele Kassen rufen laut nach einer schnellen Umsetzung der Vorschläge. Unter ihnen finden sich – nicht überraschend - auch diejenigen Kassen mit Zusatzbeiträgen wieder.

Wen wundert es: Zahlreiche Krankenkassen haben ein veritables Interesse daran, dass das Gutachten nun endlich auch von offizieller Seite gebührend beachtet wird.

Verbesserter RSA könnte Zusatzbeiträge vermeiden

Denn würde der RSA verbessert werden, stünden diese Kassen wohl deutlich besser da. Und sie hätten möglicherweise ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag von vornherein ersparen können, wenn der RSA richtig funktionieren würde. Vielleicht wäre uns auch das unwürdige Spiel um die Aufnahme der Versicherten der geschlossenen City-BKK erspart geblieben. Entweder weil die Kassen alle Kunden gleichermaßen gerne aufgenommen hätten. Oder weil die Pleite der Kasse bei ordentlichem RSA gar nicht erst stattgefunden hätte?

Der vollständige "Evaluationsbericht zum Jahresausgleich 2009 im Risikostrukturausgleich" ist abzurufen unter www.bmg.bund.de/morbi-rsa.

Aktuell

Meistgelesen