| Bertelsmann-Studie

Minijobs verschärfen Fachkräftemangel

Neue Bertelsmann-Studie empfiehlt die Abschaffung der Minijobs.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Minijobs verschärfen nach einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung den Fachkräftemangel und die Ungleichverteilung von Einkommen.

Im Ergebnis stellten Minijobs vor allem «eine hohe Hürde für den substanziellen Wiedereinstieg von Müttern ins Erwerbsleben dar», heißt es in der 70-seitigen Expertise. Die Pläne der Bundesregierung zur Anhebung der Minijob-Verdienstgrenze von 400 auf 450 EUR seien vor diesem Hintergrund eine «vertane Chance», warnte der Arbeitsmarktforscher und Mitautor Eric Thode. Die Studie soll am 4.10.2012 offiziell vorgelegt werden.

Zu hohe Abgaben - und Steuerlast außerhalb der Minijobs

Ursache des Problems sei zum einen der abrupte Anstieg der Abgaben- und Steuerbelastung an der oberen Verdienstgrenze der begünstigen Minijobs. Zusätzlich werde dieser «Fehlanreiz» oft gerade für gut ausgebildete Ehefrauen noch durch die Effekte des Ehegattensplittings bei der Einkommensteuer verschärft, so die Studie. Jeder Mehrverdienst der Partnerin führe dann über den sinkenden Splittingvorteil zu einem überproportionalen Anstieg der Steuerlast.

Nach den Daten der Studie leben allein 2 Mio. der rund 7 Mio. Minijobber mit einem vollzeitbeschäftigten Ehepartner zusammen. Zugleich haben mehr als 3/4 der Minijobberinnen mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung, ermittelten die Forscher.

Die Bertelsmann-Studie empfiehlt eine 2-teilige Reform

Zum einen solle der Minijob in der heutigen Form abgeschafft werden und stattdessen eine gleichmäßige Abgabenprogression im Verdienstbereich bis 800 EUR eingeführt werden. Derzeit muss bis zur Grenze von 400 EUR allein der Arbeitgeber Abgaben von 30 % zahlen; ab 401 EUR fallen auch Arbeitnehmerbeiträge an, zudem greift der Lohnsteuerabzug. Zum anderen empfiehlt die Studie, das Steuersplitting durch Einführung eines Höchstbetrags für die gemeinsame Steuerveranlagung zu begrenzen.

Mehreinnahmen für den Staat durch mehr Vollzeitstellen

Mit einer solchen Reform würden nach den Berechnungen der Forscher etwa 60.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen. Zugleich würde der Staat etwa 9 Mrd. EUR mehr einnehmen. Diese Zusatzeinnahmen könnten dann beispielsweise «zielgerichteter als bisher für die Unterstützung von Familien verwendet werden», schlagen die Forscher vor. Alternativ komme eine Absenkung des Solidaritätszuschlags in Betracht.

Schlagworte zum Thema:  Minijob, Minijob-Reform, Ehegattensplitting

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