| Studie zur Kinderarmut

Einmal arm, immer arm gilt nicht

Arme Kinder haben schlechtere Chancen im Leben.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Arme Kinder im reichen Deutschland: Seit Jahren weisen Sozialverbände auf das Problem hin. Geändert habe sich zu wenig. Mit einer Studie will die Arbeiterwohlfahrt Druck machen und fordert gemeinsame Lösungen.

Arme Kinder müssen nicht benachteiligt bleiben - wenn Eltern, Kitas und Schulen an einem Strang ziehen. "Der Spruch - einmal arm, immer arm - gilt nicht immer", sagte der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, am 25.9.2012 in Berlin bei der Ergebnispräsentation. Dies sei die erste umfassende Langzeitstudie in Deutschland zu Kinderarmut.

Für die Untersuchung gilt als arm, wenn Kinder oder ihre Eltern höchstens 50 % des Durchschnittseinkommens in Deutschland zur Verfügung haben.

Kontinuierliche Begleitung durch Bezugspersonen

Die AWO ließ 900 arme und nicht arme Kinder im Vorschulalter 15 Jahre lang begleiten. Rund die Hälfte der Kinder (43 %) schaffte den Sprung aus der Armut. Allerdings rutschte rund jedes 5. Kind (18 %) über die Zeit in ein armes Leben ab. "Es kommt auf eine kontinuierliche Betreuung an", sagte Stadler. Oft hapere es an den Übergängen etwa zwischen Kita und Schule.
Studienleiterin Gerda Holz betonte die Bedeutung von Eltern und anderen Bezugspersonen. "Kinder brauchen Orientierung. Sie sind keine kleinen Erwachsenen." Selbst für die 16- bis 17-Jährigen spielten die Eltern eine sehr wichtige Rolle. Brüche in der Betreuung durch Eltern, Erzieher und Lehrer seien ein großes Problem.

Durch Doppelbelastung Schulprobleme oft vorprogrammiert

Auch wenn einige Kinder später der Armut entkommen könnten, hätten sie schlechtere Startchancen. "Arme Kinder werden oft verspätet eingeschult", sagte Holz. An der Schule müssten sie häufiger Klassen wiederholen. Nur jedes 3. Kind aus einer armen Familie kam ohne Ehrenrunde durch die Schule, unter den befragten, nicht armen Kindern war es die Hälfte (49 %).

"Die Bewältigung von Armut ist eine Doppelbelastung", mahnte Holz. Solche Kinder müssten oft Aufgaben ihrer Eltern übernehmen und sich um kleine Geschwister kümmern. Zudem seien sie oft angehalten, sich mit Nebenjobs Geld zu verdienen. Dadurch bleibe automatisch weniger Zeit für die Schule. "Armut führt zu mehr Belastung und schlechteren Chancen."

In Kinder und Jugendliche investieren

In Deutschland leben über 2,5 Mio. Kinder in Einkommensarmut, wie der Deutsche Kinderschutzbund schreibt. Dies entspreche etwa 19,4 % aller Personen unter 18 Jahren. "Das Ausmaß der Kinderarmut ist seit vielen Jahren gravierend hoch." Zwar hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg Anfang dieses Jahres gesunkene Zahlen von Kindern im Hartz IV-System ermittelt, doch der Kinderschutzbund hatte die Berechnung bezweifelt. Schließlich sei auch die Zahl der Kinder in Deutschland zurückgegangen.

Auch die Studie der AWO zeichne teilweise ein ernüchterndes Bild: "Die Lebenswege beider Gruppen gehen weiter auseinander", sagte Holz. Auch deshalb müsse mehr in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche investiert werden, forderte Stadler. Das Betreuungsgeld sei dabei genau der falsche Weg. "Wir hoffen, dass diese Botschaft ankommt."

Einen Auszug aus der Studie finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Betreuungsgeld, Kinderarmut, Kinderbetreuung, Hartz IV

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