08.08.2012 | OLG-Urteil

Innerhalb eines Jahres Rückführung des Kindes beantragen

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wird ein Kind nach der Trennung der Eltern in das Heimatland von Mutter oder Vater mitgenommen, kann der andere Elternteil eine Rückführung beantragen.

Dies muss aber binnen eines Jahres geschehen. Andernfalls kommt eine Rückführung nur in Betracht, wenn sich das Kind in der neuen Umgebung noch nicht eingelebt hat. Das entschied das Oberlandesgericht Stuttgart (17 UF 35/12). Relevant sei diese Regelung vor allem für binationale Ehen.

Fall:

In dem Fall ging es um das Kind eines Belgiers und einer Deutschen. Das Kind war in Belgien geboren worden und lebte zunächst dort. Nach der Trennung zog die Mutter mit dem Kind nach Deutschland. Der Vater wollte, dass das Kind zu ihm nach Belgien zurückkehrt. Er hatte beim dortigen Jugendgericht das Sorgerecht beantragt und schließlich das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommen. In der darauffolgenden Zeit lebte die Tochter abwechselnd bei Mutter und Vater.

Unterdessen wollte die Mutter, dass das Kind in einen deutschen Kindergarten gehe. Damit war der Vater jedoch nicht einverstanden und beantragte vor dem Stuttgarter Gericht die Rückführung seiner Tochter nach Belgien.

Jahresfrist nicht eingehalten

Das Gericht lehnte den Antrag des Vaters jedoch ab. Der Antrag auf Rückführung sei nicht binnen Jahresfrist eingegangen. Nach Ablauf der Frist sei eine Rückkehr des Kindes nur möglich, wenn es sich in seiner neuen Umgebung nicht eingelebt habe. Dies sei aber nicht der Fall, so die Richter. Das Kind habe ausreichend Kontakte zu Großeltern, seiner Cousine und Freunden. Da es in Deutschland sozial integriert sei, komme eine Rückführung nach Belgien nicht in Betracht.

Schlagworte zum Thema:  Sorgerecht

Aktuell

Meistgelesen