24.06.2013 | Jobvermittlung

Vermitteln Arbeitsagenturen Langzeitarbeitslose schlechter ?

Langzeitarbeitslose erhielten zu wenig Jobangebote von der Arbeitsagentur.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Jobvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (BA) konzentriert sich stärker auf Arbeitslose, die auf dem Arbeitsmarkt leichter zu vermitteln sind. Langzeitarbeitslose bleiben dabei auf der Strecke. So ein Prüfergebnis des Bundesrechnungshofes bei einigen Arbeitsagenturen.

Der Bundesrechnungshof wirft der Bundesagentur für Arbeit (BA) «Fehlsteuerungen» und «Manipulationen» bei der Vermittlung von Arbeitslosen vor. In einem Prüfbericht kritisierten die Rechnungsprüfer einer Zeitschrift zufolge vor allem, dass die Agenturen sich auf die Kunden konzentrierten, die am ehesten auch ohne Hilfe auf dem Arbeitsmarkt unterkämen.

Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen

Weil jede Vermittlung im internen Zählsystem gleich viel wert sei, versuchten die Agenturen so, hohe Vorgaben aus der Zentrale zu erfüllen. Dagegen würden Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen schlechter betreut, da es schwerer sei, mit ihnen die Ziele zu erreichen.

Manipulationen bei Arbeitsvermittlung nicht üblich

BA-Chef Frank-Jürgen Weise wies die Vorwürfe am 23.6.2013 zurück. «Dem Eindruck, in den Arbeitsagenturen seien Manipulationen an der Tagesordnung, trete ich entgegen. Dies hat auch der Rechnungshof nicht behauptet. Die große Mehrzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet engagiert und korrekt.» Die Bundesbehörde entwickle ihr Zielsystem laufend weiter. «Viele der vom Rechnungshof genannten Fehlanreize wird es ab 2014 nicht mehr geben», versicherte Weise. Eine BA-Sprecherin hatte zuvor berichtet, in einem Fall habe es personalrechtliche Konsequenzen gegeben.

Fehlsteuerungen bei Vermittlung Langzeitarbeitsloser

Der Rechnungshof hatte laut der Zeitschrift in einer Stichprobe 7 der 156 Arbeitsagenturen sowie 7 Regionaldirektionen 3 Monate lang untersucht. «Die Tatsache, dass wir in allen geprüften Agenturen Fehlsteuerungen festgestellt haben, zeigt, dass es sich um ein grundsätzliches Problem handelt», heißt es im Fazit.

Zu wenig Stellensuchläufe für Jobvermittlung

So hätten die Prüfer festgestellt, dass die Arbeitsvermittler in den 3 Monaten für mehr als 50 % der Langzeitarbeitslosen keinen Stellensuchlauf gemacht und zu 45 % keinen ernstzunehmenden Kontakt aufgenommen hätten. Es gebe eine interne Weisung, wonach nur aussichtsreiche Bewerber sofort einen Termin beim Vermittler bekommen sollten. Um die Ziele zu erfüllen, sei an der Statistik geschraubt worden. Lehrlinge, die ohnehin von ihrer Firma übernommen werden sollten, seien als erfolgreich vermittelt gezählt worden. «Die bloße Erfassung von sicheren Übertritten mit dem Ziel einer Zählung stellt aus unserer Sicht eine Manipulation dar», heißt es in dem Rechnungshofbericht.

Ursache: Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik?

Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag, erklärte: «Die Vermutung liegt nahe, dass solche Fehlsteuerungen in der BA auch Ergebnis der schwarz-gelben Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik sind, die zu Lasten von Langzeitarbeitslosen gehen.» Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) müsse nun eine Reihe von Fragen zu dem Thema beantworten.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitslosigkeit, Arbeitsvermittlung, Langzeitarbeitslosigkeit

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