10.05.2013 | Zahl der Aufstocker rückläufig

Doch weniger Arbeitnehmer mit zusätzlichem Hartz IV?!

Immer weniger beziehen parallel zueinander Lohn und Hartz IV.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Hunderttausenden von Menschen reicht der Arbeitslohn zum Leben nicht - sie beziehen zusätzlich Hartz IV. Trotzdem sieht die Arbeitsagentur eine positive Entwicklung: Die Anzahl der Aufstocker sei zurückgegangen. Dies widerspricht ersten Berichten.

Die Zahl der Bundesbürger, die trotz eines Voll- oder Teilzeitjobs auf Hartz IV angewiesen sind, nimmt ab. Im vergangenen Jahr bekamen 1,324 Mio. Menschen einen staatlichen Zuschuss - etwa 30.000 weniger als 2011. «Wir werten das eigentlich positiv», sagte Paul Ebsen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA).   

Gesamtzahl der Hartz IV-Aufstocker gesunken

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte zuvor berichtet, dass die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Einkommen von mehr als 800 EUR mit einem Hartz IV-Zuschuss steige. Die Gesamtzahl der sogenannten Hartz IV-Aufstocker sank jedoch seit 2010, wie aus den Statistiken der Arbeitsagentur hervorgeht.

Die BA teilt die Aufstocker in 3 Gruppen ein: Arbeitnehmer mit einem Entgelt

  • unter 400 EUR,
  • zwischen 400 und 800 EUR und
  • mit mehr als 800 EUR pro Monat.  

Die Zahl der Menschen mit monatlich 400 bis 800 EUR plus Hartz IV ist im Vergleich zu 2011 fast gleich geblieben. Die Zahl der Geringverdiener mit weniger als 400 EUR im Monat, die aufstocken, sank um 45.000.

Hartz IV vermeiden durch besser bezahlte Jobs

Arbeitnehmer, die ihren Lohn aufstocken müssen, arbeiten vor allem im Handel, in der Gastronomie, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie als Leiharbeiter. Der Sprecher der BA betonte, dass viele Aufstocker eine Gehaltskategorie nach oben gestiegen seien: «Da haben viele einen Schritt nach vorne gemacht und einen besser bezahlten Job inzwischen.» Auch wenn sie immer noch aufstocken müssten, böten diese vergleichsweise schlecht bezahlten Stellen den Menschen die Chance, in der Zukunft mehr zu verdienen und dann nicht mehr auf Hartz IV angewiesen zu sein.   

Miet- und Energiekosten für Single-Haushalte unbezahlbar

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Singles unter den Aufstockern mit einem Verdienst über 800 EUR. Diese nimmt kontinuierlich zu, seit 2009 um 38 % auf etwa 75.600. Die BA begründet die Steigerung mit angehobenen Hartz IV-Regelsätzen sowie höheren Miet- und Energiekosten, für die Single-Haushalte zusätzliche finanzielle Unterstützung bekämen. 

BA ist mit der Entwicklung zufrieden

Es zeige sich, «dass es immer öfter den Weg in die Beschäftigung gibt», erklärte die Behörde. Die Daten bewiesen, dass es durch das Aufstocken immer häufiger Aufstiegsmöglichkeiten aus der Geringbeschäftigung heraus gebe.  BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt wertete den Rückgang der Zahl der Hartz IV-Empfänger insgesamt positiv. Im Vergleich zu 2009 sei eine halbe Million Menschen weniger auf Grundsicherung angewiesen. «Das zeigt doch, dass sich etwas Positives tut, dass es mehr Menschen gelingt, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen», sagte Alt. «Auch wenn es nicht gleich zu einer existenzsichernden Beschäftigung reicht, ist es eine Eintrittskarte.»

Schlagworte zum Thema:  Hartz IV, Geringverdiener, Sozialgeld, Regelsatz

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