| Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende

Hartz IV-Zahlung: Tilgungswirkung nur bei korrekter Kontowahl

Das Jobcenter muss die Hartz IV-Leistung auf das gewünschte Konto überweisen
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Sozialgericht Mainz hat entschieden, dass ein Jobcenter nur dann mit erfüllender Wirkung die Hartz IV-Leistung erbringt, wenn die Zahlung auf das von dem Leistungsempfänger bzw. vom Betreuer bestimmte Konto erfolgt. Eine anderweitige Auszahlung habe keine Tilgungswirkung.

Die in Rheinhessen lebende Klägerin stand unter Betreuung. Im Bereich der Vermögenssorge konnte sie daher nicht frei über ihre Angelegenheiten entscheiden, sondern ihre Willenserklärungen standen unter dem Vorbehalt der Einwilligung ihres Betreuers.

Hartz IV-Leistung per Scheck statt aufs Bankkonto

Die Klägerin persönlich wandte sich an das Jobcenter, nachdem ihr Betreuer dem beklagten Jobcenter eine neue Kontonummer mitgeteilt und um Überweisung der Leistungen auf dieses Konto gebeten hatte. Ihre Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts sollten per Scheck ausgezahlt werden, was in der Folge auch geschah. Nachdem der Betreuer der Klägerin feststellen musste, dass keinerlei Zahlungen auf dem Konto eingegangen waren und in der Folge unter anderem auch keine Miete hatte gezahlt werden können, wandte er sich im Namen der Klägerin an das Sozialgericht (SG) Mainz und begehrte die erneute Auszahlung der Leistungen.

Keine Erfüllungswirkung bei fehlerhafter Hartz IV-Zahlung

Das SG hat der Klage stattgegeben und das beklagte Jobcenter zur erneuten Zahlung verurteilt. Es habe die Leistungen nicht mit erfüllender Wirkung an die Klägerin ausgezahlt. Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) seien auf das jeweilige Konto des Leistungsberechtigten zu überweisen. Einem Wunsch, die Leistungen auf ein neues Konto zu überweisen, sei nachzukommen. Da hier der Betreuer für die Klägerin die Zahlung auf ein bestimmtes Konto verlangt hatte, sei die Zahlung per Scheck fehlerhaft erfolgt und habe keine Tilgungswirkung entfalten können. Eine Erfüllungswirkung sei auch nicht deshalb eingetreten, weil die Klägerin über die Leistung tatsächlich habe verfügen können. Dies verhindere bereits der Umstand, dass die Klägerin unter einer Betreuung mit einem Einwilligungsvorbehalt steht.

SG Mainz, Urteil v. 13.5.2016; S 11 AS 1154/16

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Neue Pläne für Hartz IV-Empfänger: Zwangsverrentung und Ein-Euro-Jobs

Hartz IV-Empfänger können kostenlos Personalausweis erhalten

Schlagworte zum Thema:  Grundsicherung, Hartz IV, Jobcenter

Aktuell

Meistgelesen