27.07.2012 | Hartz IV

Frauen werden seltener sanktioniert als Männer

Männer und Frauen sind nicht gleich
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer als Hartz-IV-Empfänger eine zumutbare Arbeit ablehnt, muss mit Sanktionen des Jobcenters rechnen. Dabei scheinen die Vermittler oft mit zweierlei Maß zu messen - Männer trifft es doppelt so häufig wie Frauen.

Jobcenter kürzen Frauen bei Verstößen gegen Hartz IV-Bestimmungen weitaus seltener das ALG II als Männern. Männliche Hartz IV-Bezieher werden fast doppelt so häufig sanktioniert wie Frauen. Das geht aus einer am 26.7.2012 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Die "Frau mit Kind" wird am seltensten belangt
Vor allem Frauen mit Kindern würden fast nie von den Jobcentern mit Leistungskürzungen bestraft, wenn sie zum Beispiel eine zumutbare Arbeit ablehnen. In Familien, in denen beide Elternteile arbeitslos sind, konzentrierten sich die Vermittlungsbemühungen häufig auf den Mann. Entsprechend öfter würden bei Hartz IV-Verstößen die Männer sanktioniert. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestreitet allerdings eine solche Ungleichbehandlung.

Alleinstehende Männer: doppelt so viel Sanktionen wie Frauen

Überrascht hat die Nürnberger Arbeitsmarktforscher, dass von der unterschiedlichen Sanktionierungspraxis der Jobcenter selbst kinderlose Single-Frauen profitieren. In der Gruppe der allein stehenden Hartz IV-Empfänger werden Männer nach IAB-Erkenntnissen doppelt so häufig sanktioniert wie Frauen.

Ungleichbehandlung muss untersucht werden

Über die Gründe für die Ungleichbehandlung rätseln auch die Autoren der Studie Joachim Wolff und Andreas Moczall. "Es ist nicht a priori klar, inwieweit die vorliegenden Unterschiede dadurch zustande kommen, dass Männer eher als Frauen nicht mit den Jobcentern kooperieren", betonen die Forscher. Dies sollte weiter untersucht werden, raten sie.

BA dementiert eine Ungleichbehandlung

Die BA betonte unterdessen, es gebe keine Unterschiede im Umgang der Jobcenter mit Männer und Frauen. Wenn Männer trotzdem häufiger mit Sanktionen belegt würden, liege das an der Struktur der gemeldeten Jobs, sagte eine BA-Sprecherin. Viele Stellen für Hartz IV-Empfänger "sprechen in der Regel Männer mehr an als Frauen". Männer seien dadurch oft leichter vermittelbar. Dadurch seien dort auch die Verstöße etwa wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit größer als bei Frauen.

Auch Alter und Bildung wirken auf Sanktionshäufigkeit

Ob einem Hartz IV-Empfänger eine Sanktion droht, hängt nach Erkenntnissen der Arbeitsmarktforscher auch vom Alter der Betroffenen ab. So würden Ältere ab 50 Jahren bei Verstößen kaum mit der Kürzung des Arbeitslosengeldes belegt, junge Männer und Frauen unter 25 Jahren dagegen vergleichsweise häufig. Auch Jobsuchern mit einer Hochschulausbildung drohten seltener Sanktionen als Arbeitslosen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss.

Hintergrund

Mit Jobcenter-Sanktionen müssen Hartz IV-Empfänger rechnen, die eine für sie zumutbare Arbeit oder den Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung ablehnen, eine vom Jobcenter bezahlte Aus- oder Fortbildung ohne triftigen Grund abbrechen oder mehrfach vereinbarte Gespräche mit ihrem Vermittler platzen lassen. Je nach der Schwere der Versäumnisse können Hartz IV-Leistungen ganz oder teilweise für eine begrenzte Zeit gestrichen werden.

Schlagworte zum Thema:  Hartz IV, Sanktion, Jobcenter, Arbeitslosengeld II

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