Berufsbildungsgesetz: Mindestlohn für Azubis verabschiedet

Zehntausende Azubis dürfen sich ab 2020 über eine bessere Bezahlung freuen. Denn der Bundestag hat am 24. Oktober die Reform des Berufsbildungsgesetzes beschlossen, die unter anderem einen Azubi-Mindestlohn von 515 Euro im ersten Lehrjahr vorsieht.

Eine Mindestvergütung für Auszubildende, international vergleichbare Abschlussbezeichnungen und mehr Möglichkeiten, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Das sind die Kernpunkte der Novelle des Berufsbildungsgesetzes. Deren Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der dualen Ausbildung zu stärken. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf bereits Mitte Mai 2019 beschlossen, der Bundestag hat ihn am 24. Oktober verabschiedet. Die Vorschriften sollen ab dem 1. Januar 2020 gelten. Nur die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus.

Mindestvergütung für Auszubildende

Die Bundesregierung will mit dem Mindestlohn die Attraktivität der Berufsausbildung erhöhen und die Abbruchquote in der Ausbildung verringern. Jeder Azubi, der im kommenden Jahr eine Berufsausbildung beginnt, soll nun mindestens 515 Euro im ersten Lehrjahr bekommen. Der Betrag wird in den folgenden Jahren schrittweise weiter erhöht auf bis zu 620 Euro monatlich im ersten Lehrjahr. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr wird es eine höhere Ausbildungsvergütung geben. Ab 2024 soll die Azubi-Mindestvergütung dann automatisch entsprechend der durchschnittlichen Entwicklung der vertraglich vereinbarten Ausbildungsvergütungen angepasst werden.

Pech haben diejenigen, die sich heute schon in einer Ausbildung befinden: Sie profitieren nicht von der Neuregelung. Außerdem sind Ausnahmen von der Mindestvergütung möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.

Rechnerisch könnten rund 89.000 junge Menschen vom neuen Lehrlings-Mindestlohn profitieren. So viele Azubis verdienten jedenfalls nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Ende 2018 weniger als 500 Euro im Monat, viele davon sogar weniger als 400 Euro. In bestimmten Berufen wie dem Friseurhandwerk und vor allem im Osten bekommen Azubis bisher besonders wenig Geld.

Neue Bezeichnungen für Fortbildungen

 "Geprüfte/r Berufsspezialist/in", "Bachelor Professional" oder "Master Professional". So sollen die Abschlüsse in der höher qualifizierten Berufsausbildung - bislang Aufstiegsfortbildungen- künftig bezeichnet werden. Beabsichtigt ist hierdurch, die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und einem Studium zu verdeutlichen. Zudem soll durch Bezeichnungen, die international verständlich sind, die Mobilität gefördert werden. Besonderheiten gelten für den Meister im Handwerk: Die neue Abschlussbezeichnung "Bachelor Professional" kann zusätzlich geführt werden. Einen Meistertitel erlangt weiterhin nur, wer eine Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat.

Mehr Möglichkeiten für Ausbildung in Teilzeit

Bisher ist es nur in Ausnahmefällen möglich eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren wie für besonders leistungsstarke Auszubildende, die alleinerziehend sind oder Angehörige pflegen. Die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren soll künftig erweitert werden und insbesondere auch Geflüchteten, lernbeeinträchtigten Menschen sowie Menschen mit Behinderungen offenstehen. Voraussetzung für eine Ausbildung in Teilzeit soll aber die Zustimmung des Ausbildungsbetriebs sein.

Neuregelungen: mehr Flexibilität, weniger Bürokratie

Weiter soll mit der Reform unter anderem das Prüfungswesen in der beruflichen Bildung flexibler gestaltet werden. Verbessert werden soll zudem die Durchlässigkeit bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen. Die Neuregelungen bieten zudem Gelegenheit, Bürokratie abzubauen. Dafür ist beabsichtigt, einige Verfahren zu modernisieren, zu vereinfachen und zu verkürzen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Bundesrat billigt Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Ablösesummen für Azubis gehen am Problem vorbei – und am Azubi auch

Welche Arbeitszeiten in der Ausbildung gelten

dpa
Schlagworte zum Thema:  Gesetz, Ausbildung, Mindestlohn