27.06.2012 | Arbeitslosenversicherung

Arbeitsagenturen schaffen Papier-Akten ab

Die lästigen Akten fallen weg: Arbeitsagenturen werden papierlos
Bild: Haufe Online Redaktion

Nach einem erfolgreichen Pilotversuch in Ostdeutschland will die Bundesagentur für Arbeit (BA) nun flächendeckend die Papier-Akte in ihren 176 Arbeitsagenturen und 400 Dienststellen abschaffen. Das spart auch Geld.

Vom 2.7.2012 an würden zunächst in Berlin-Brandenburg und Sachsen Millionen Leistungsakten eingescannt, teilte eine BA-Sprecherin am 26.6.2012 mit. Nach einem Dreistufenplan soll die E-Akte dann in den Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz-Saarland folgen. Im November würden die Arbeitsagenturen in Niedersachsen-Bremen, Nord und Nordrhein-Westfalen aufgeschaltet.

Die Bundesagentur erhofft sich von der sogenannten E-Akte eine jährliche Kosteneinsparung in 3-stelliger Millionenhöhe. Zudem ließen sich Auskünfte schneller erteilen. Mitarbeiter könnten unabhängig vom Standort direkt auf ihrem Bildschirm auf Dokumente zugreifen, sagte die BA-Sprecherin.

Arbeitsagenturen versinken in Aktenbergen

Allein die Arbeitsagenturen - ohne die Jobcenter - führten 22,2 Mio. Akten. Täglich kämen 260.000 Dokumente neu hinzu. Auch die 13,2 Mio. Akten der Familienkassen, die das Kindergeld auszahlen und zur BA gehören, sollen nach Angaben einer BA-Sprecherin digitalisiert werden. "Es gibt keine Organisation oder Behörde von vergleichbarer Größe in Europa, die das bereits getan hat", sagte die BA-Sprecherin.

Unbegründete Angst vor dem "gläsernen Arbeitslosen"

Für Unmut bei Arbeitslosen hatte beim Start des Pilotprojekts zunächst der Umstand gesorgt, dass nicht BA-Mitarbeiter, sondern Deutsche-Post-Bedienstete die Akten einscannten. Das Erwerbslosen Forum Deutschland sprach seinerzeit vom "gläsernen Arbeitslosen". Der Schutz vor Missbrauch sei bei diesem Verfahren nicht gewährleistet, hatte vor einem Jahr Sprecher Martin Behrsing kritisiert.

Dem hatte umgehend die Bundesagentur widersprochen und drauf hingewiesen, dass alle Post-Mitarbeiter zur Geheimhaltung verpflichtet worden seien und in abgeschotteten Hochsicherheitszentren arbeiteten. Die Kundendaten und die eingehende Post würden in gesicherten und verplombten Transportzentren angeliefert. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert. Der Datenschutz sei damit gewährleistet.

E-Akte auch in Jobcentern geplant

Unklar ist derzeit noch, wann in den für Hartz IV-Empfängern zuständigen Jobcentern die elektronische Akte eingeführt wird. "Das ist zwar ebenfalls vorgesehen, aber dafür gibt es noch keine konkreten Planungen», sagte eine BA-Sprecherin. In der Regel seien Akten von Hartz IV-Beziehern deutlich umfangreicher als die von Arbeitslosengeldbeziehern. "Das liegt auch daran, dass Grundsicherungsempfänger die Leistung alle halbe Jahre neu beantragen müssen." Im Schnitt hätten Hartz IV-Akten einen Umfang von 300 Seiten.

Schlagworte zum Thema:  Elektronische Akte, Jobcenter, Arbeitsagentur

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