Rentenangleichung / 1 Ausgangslage (Rentenüberleitung 1992)

Zum 1.1.1992 wurde das westdeutsche Rentenversicherungssystem auf das Beitrittsgebiet übergeleitet und damit die Alterssicherung der ehemaligen DDR in die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung der Bundesrepublik Deutschland einbezogen.

Beitrittsgebiet ist das in Art. 3 EV genannte Gebiet der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie des Landes Berlin, in dem das Grundgesetz (GG) für die Bundesrepublik Deutschland vor dem 3.10.1990 nicht gegolten hat. Im Land Berlin gehören zum Beitrittsgebiet die Bezirke Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Pankow, Weißensee, Lichtenberg, Treptow, Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf und Köpenick sowie das in das Land Berlin eingegliederte Gebiet West-Staaken.

Aufgrund des seinerzeit geringeren Lohnniveaus im Beitrittsgebiet (neue Bundesländer) gegenüber dem Lohnniveau in den alten Bundesländern wurde im Zuge der Rentenüberleitung mit Blick auf die lohn- und beitragsbezogene gesetzliche Rentenversicherung bestimmt, dass bis zur Herstellung einheitlicher Einkommensverhältnisse in ganz Deutschland für die neuen Bundesländer andere Berechnungsgrößen als für die alten Bundesländer gelten. Hier sind insbesondere der aktuelle Rentenwert (Ost) sowie die Bezugsgröße (Ost) und die Beitragsbemessungsgrenzen (Ost) zu nennen.

Das geringere Lohnniveau in den neuen Bundesländern sollte sich jedoch nicht dauerhaft in der späteren Rente verfestigen. Aus diesem Grund wurde bestimmt, dass die Ost-Verdienste für die Ermittlung der Entgeltpunkte mit einem Hochwertungsfaktor (Anlage 10 zum SGB VI) aufgewertet werden. Dieser Hochwertungsfaktor entspricht dabei dem Verhältnis von Durchschnittsentgelt zu dem geringeren Durchschnittsentgelt (Ost).

Damit sich aus den im Hochwertungsverfahren ermittelten Entgeltpunkten (Ost) ein zu den alten Bundesländern vergleichbarer Rentenertrag ergibt, sollte – bis zur Angleichung der Löhne in Ost und West – den Entgeltpunkten (Ost) der aktuelle Rentenwert (Ost) zugeordnet werden, der sich im Wesentlichen entsprechend der gegenwärtigen Lohnentwicklung in den neuen Bundesländern verändert. Durch dieses Zusammenspiel von Hochwertung und aktuellem Rentenwert (Ost) sollte für Rentner mit vergleichbarer Erwerbsbiografie in den alten und neuen Bundesländern ein vergleichbarer Rentenertrag erreicht werden.

Mit der fortlaufenden Angleichung der Löhne und Gehälter an das westdeutsche Niveau sollte damit auch eine Angleichung der Renten in den neuen Bundeländern einhergehen. Bei einer sich Schritt für Schritt vollziehenden Lohnangleichung reduziert sich grundsätzlich der Abstand zwischen aktuellem Rentenwert (Ost) und aktuellem Rentenwert und der Hochwertungsfaktor verringert sich. Bei einer vollständigen Lohnangleichung zwischen Ost und West wären also nicht nur die aktuellen Rentenwerte angeglichen, sondern auch die Hochwertung entfallen. Letztlich würde dann auch eine bundeseinheitliche Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung gelten.

 

Praxis-Beispiel

Hochgewerteter Verdienst und Entgeltpunkte (Ost) im Jahr 2017

Beschäftigung in Magdeburg mit einem Arbeitsentgelt von 32.598 EUR.

Der Verdienst ist auf den Wert von 37.077 EUR hochzuwerten (32.598 EUR x 1,1374). Aus dem hochgewerteten Verdienst resultieren 1,0000 Entgeltpunkte (Ost), da der hochgewertete Verdienst dem rentenrechtlichen Durchschnittsentgelt von 37.077 EUR im Jahr 2017 entspricht. Unter Verwendung des aktuellen Rentenwerts (Ost) resultiert daraus ab 1.7.2018 ein mtl. Rentenertrag von 30,69 EUR.

Der Versicherte wird mit der Hochwertung so gestellt, wie ein Versicherter in den alten Bundesländern, der 37.077 EUR verdient hat und diesen Verdienst mit (höheren) Beiträgen versichert hat. Bezogen auf einen gleich hohen Rentenertrag wird der Versicherte aus den neuen Bundesländern – trotz geringerem Verdienst und geringeren Beiträgen – einem Versicherten aus den alten Bundesländern gleichgestellt sein, wenn der aktuelle Rentenwert (Ost) so hoch ist wie der aktuelle Rentenwert. Dies wird spätestens ab 1.7.2024 der Fall sein.

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