Heilmittel

Zusammenfassung

 

Begriff

Heilmittel sind meist persönliche medizinische Dienstleistungen, die überwiegend von außen auf den Körper einwirken. Sie werden ärztlich verordnet und dienen einem Heilzweck oder sichern einen Heilerfolg. Heilmittel dürfen nur von entsprechend ausgebildeten Personen erbracht werden.

Zu den Heilmitteln gehören Maßnahmen der

  • physikalischen Therapie,
  • podologische Therapie,
  • Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie,
  • Beschäftigungs- und Arbeitstherapie (Ergotherapie) sowie
  • Ernährungstherapie
 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Der Anspruch auf Versorgung mit Heilmitteln ist in § 32 SGB V geregelt, die Zuzahlung ergibt sich aus § 61 Satz 3 SGB V. Die Rechtsgrundlage für die sog. "Blankoverordnung" stellt § 125a SGB V dar.

In den Heilmittel-Richtlinien (HMR) sind die Grundsätze der Heilmittelverordnung geregelt und welche Heilmittel als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung gelten. Im Zweiten Teil der HMR (Heilmittelkatalog) ist geregelt, bei welchen Indikationen welche Heilmittel in welchem Umfang grundsätzlich verordnet werden können. Die nichtverordnungsfähigen Heilmittel sind in den HMR ebenfalls benannt.

Ferner gelten im zahnärztlichen Bereich die Heilmittel-Richtlinie-Zahnärzte. Ergänzende Informationen zur Berechnung der Zuzahlung sind im GR v. 26.11.2003 zu finden.

1 Anspruch auf Versorgung

Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Heilmitteln, wenn sie notwendig sind, um

  • eine Krankheit zu heilen,
  • ihre Verschlimmerung zu verhüten oder
  • Krankheitsbeschwerden zu lindern.

2 Verordnungsfähige Heilmittel

2.1 Physikalische Therapie

Maßnahmen der physikalischen Therapie entfalten ihre Wirkung insbesondere nach physikalisch-biologischem Prinzip durch überwiegend von außen vermittelte kinetische, mechanische, elektrische und thermische Energie. Bei Bädern und Inhalationen können auch chemische Inhaltsstoffe mitwirken. Für einige physikalischen Therapien benötigt der Therapeut Zusatz-Qualifikationen, die über die im Rahmen der Berufsausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten hinausgehen.

Zu den Maßnahmen der physikalischen Therapie gehören

  • Massagen,
  • Bewegungstherapie (z. B. Krankengymnastik),
  • Traktionsbehandlung,
  • Elektrotherapie,
  • Kohlensäure- und Kohlensäuregasbäder,
  • Inhalationstherapie,
  • Wärme- und Kälteanwendungen sowie
  • standardisierte Kombinationen dieser Maßnahmen.

2.2 Podologische Therapie

Podologische Therapie (medizinische Fußpflege) kann nur zur Behandlung krankhafter Schädigungen am Fuß infolge Diabetes mellitus (diabetisches Fußsyndrom) verordnet werden. Hierzu zählen Schädigungen der Haut und der Zehennägel bei nachweisbaren Gefühls- und/oder Durchblutungsstörungen der Füße (Makro-, Mikroangiopathie, Neuropathie, Angioneuropathie).

Die Podologische Therapie soll unumkehrbare Folgeschädigungen der Füße, wie Entzündungen und Wundheilungsstörungen vermeiden. Zu den Maßnahmen der Podologie gehören:

  • Hornhautabtragung,
  • Nagelbettbearbeitung,
  • Podologische Komplexbehandlung,
  • Behandlung einer geschlossenen Fehlbeschwielung mit bereits vorliegenden Hautdefekten und Entzündungen.

2.3 Stimm-/Sprech-/Sprachtherapie

Die Stimmtherapie umfasst Maßnahmen zur Regulation von Atmung, Lautstärke, Artikulation und Schluckvorgängen. Sie soll die stimmliche Kommunikationsfähigkeit bessern oder wiederherstellen.

Die Sprechtherapie umfasst Maßnahmen zur gezielten Förderung der Artikulation, der Sprechgeschwindigkeit, der Koordination von Sprechen, Atmung, Stimme und Schluckvorgang. Sie soll die Sprechleistung bessern oder wiederherstellen.

Die Sprachtherapie umfasst insbesondere Maßnahmen zum Aufbau des Sprachverständnisses, zur Ausbildung und zum Erhalt der Lautsprache, zur Verbesserung der Wahrnehmung des Hörens, zur Normalisierung des Sprachklangs sowie zur Besserung des Schluckvorgangs. Sie soll die kommunikativen Fähigkeiten bessern oder wiederherstellen.

2.4 Ergotherapie

Die Maßnahmen der Ergotherapie dienen der Wiederherstellung, Entwicklung, Verbesserung, Erhaltung oder Kompensation der krankheitsbedingt gestörten motorischen, sensorischen, psychischen und kognitiven Funktionen und Fähigkeiten. Sie bedient sich komplexer aktivierender und handlungsorientierter Methoden und Verfahren, unter Einsatz von adaptiertem Übungsmaterial, funktionellen, spielerischen, handwerklichen und gestalterischen Techniken sowie lebenspraktischen Übungen. Sie umfasst auch Beratungen zur Schul-, Arbeitsplatz-, Wohnraum- und Umfeldanpassung.

Zu den Maßnahmen der Ergotherapie gehören die

  • motorisch-funktionelle Behandlung,
  • sensomotorisch-perzeptive Behandlung,
  • neuropsychologisch orientierte Behandlung (Hirnleistungstraining),
  • psychisch-funktionelle Behandlung sowie
  • Wärme- und Kältetherapie als therapieergänzende Maßnahmen.

2.5 Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie richtet sich auf die ernährungstherapeutische Behandlung seltener angeborener Stoffwechselerkrankungen oder Mukoviszidose (Cystische Fibrose – CF). Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist, dass die Ernährungstherapie als medizinische Maßnahme (ggf. in Kombination mit anderen Maßnahmen) zwingend erforderlich ist, da ansonsten schwere geistige oder körperliche Beeinträchtigungen oder Tod drohen. ...

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