Entgeltpunkte

Zusammenfassung

 
Begriff

Entgeltpunkte sind neben dem aktuellen Rentenwert in der gesetzlichen Rentenversicherung der zentrale Bewertungsmaßstab für die Berechnung der individuellen Rente. Je mehr Entgeltpunkte Versicherte erworben haben, umso höher war während ihres Erwerbslebens das mit Beiträgen versicherte Einkommen und umso höher wird dann auch die Rente sein.

Entgeltpunkte drücken aus, welche versicherten Einkommenspositionen gemessen am jeweiligen Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung vorlagen. Entgeltpunkte erwerben Versicherte grundsätzlich jährlich und am Ende des Versicherungslebens ergibt sich dann eine Summe an Entgeltpunkten. Da die Rentenversicherung dynamisch ausgestaltet ist, werden nicht nur die Renten im Wesentlichen entsprechend der Lohnentwicklung jährlich angepasst. Vielmehr erhöht sich bei steigenden Löhnen auch das jährliche Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung. Daraus folgt wiederum: um jährlich eine gleichbleibende Zahl an Entgeltpunkten zu erwerben, bedarf es auch eines steigenden versicherbaren Einkommens.

Im Beitrittsgebiet werden nur noch für Zeiten bis zum 30.6.2024 Entgeltpunkte (Ost) ermittelt, die anschließend zum 1.7.2024 durch Entgeltpunkte ersetzt werden.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Regelungen für die Entgeltpunkte finden sich in §§ 63, 70 ff. und 256 ff. SGB VI. Für welche Zeiten Entgeltpunkte (Ost) zu ermitteln sind, bestimmt § 254d SGB VI. Diese Norm bestimmt i. d. F. ab 1.7.2024 auch, dass Entgeltpunkte an die Stelle der bis zum 30.6.2024 ermittelten Entgeltpunkten (Ost) Entgeltpunkte treten.

1 Entgeltpunkte für Beitragszeiten

Entgeltpunkte für Beitragszeiten bilden ab, welchen Wert die versicherte Beitragsbemessungsgrundlage (z. B. Arbeitsentgelt) für die später gezahlte Rente hat. Beiträge, die von einem Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen in Höhe des Durchschnittsentgelts in der Rentenversicherung gezahlt worden sind, ergeben 1 Entgeltpunkt.

Das jeweilige individuelle Arbeitsentgelt eines Jahres wird durch das Durchschnittsentgelt desselben Jahres geteilt. Entspricht das versicherte Arbeitsentgelt genau dem Durchschnittsentgelt (a) bzw. halben Durchschnittsentgelt (b), beträgt das Divisionsergebnis

  1. 1,0000 Entgeltpunkte bzw.
  2. 0,5000 Entgeltpunkte.

1.1 Pflicht-/freiwillige Beiträge

Für Pflichtbeiträge im sog. Lohnabzugsverfahren[1], ferner für Pflichtbeiträge von Selbstständigen sowie für freiwillige Beiträge, die ab 1977 auf bargeldlose Weise entrichtet worden sind, werden Entgeltpunkte ermittelt. Dies geschieht, indem die Beitragsbemessungsgrundlage (= das versicherte Bruttoarbeitsentgelt)[2] durch das Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung desselben Kalenderjahres aus der Anlage 1 zum SGB VI geteilt wird.[3]

1.2 Vorausbescheinigte Beitragszeiten

Entgelte bzw. beitragspflichtige Einnahmen für Zeiträume bis zu 3 Monaten vor dem Rentenbeginn werden vom Rentenversicherungsträger aus den vom Arbeitgeber für die letzten 12 Kalendermonate gemeldeten Entgelten hochgerechnet.[1] Daraus sind die entsprechenden Entgeltpunkte zu ermitteln. Bei dieser Hochrechnung bleibt es auch (bei Altersrenten), wenn das später bekannte tatsächliche Entgelt – zugunsten oder zuungunsten des Versicherten – davon abweicht.

1.3 Kindererziehungszeiten

Kindererziehungszeiten erhalten pro Kalendermonat 0,0833 Entgeltpunkte. Außerdem werden Entgeltpunkte für Kindererziehungszeiten zeitgleichen Beitragszeiten hinzugerechnet (sog. additive Bewertung).

Begrenzt werden die Entgeltpunkte aus Beiträgen für Kindererziehungszeiten, wenn sie mit anderen Beitragszeiten zusammentreffen, auf die von der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze abgeleiteten Höchstwerte der neuen Anlage 2b zum SGB VI.

 
Praxis-Beispiel

Ab dem 1.1.1992 geborenes Kind

 
Kindererziehungszeit vom 1.1.1993 bis 31.12.1995
daneben Pflichtbeiträge      
  Jahr 1993 Jahr 1994 Jahr 1995
Entgeltpunkte daraus 0,5555 1,1000 1,8474
zzgl. Entgeltpunkte pro Jahr für die Kindererziehungszeit
(12 × 0,0833)
0,9996 0,9996 0,9996
insgesamt 1,5551 2,0996 2,8470
der Höchstwert der Anlage 2b 1,7933 1,8558 1,8474
wird überschritten nein 0,2438 0,9996
daher Entgeltpunkte für die Kindererziehungszeit 0,9996 0,7558 keine

1.4 Berufsausbildung

Eine berufliche Ausbildung zählt zu den beitragsgeminderten Zeiten. Diese Zeiten erhalten entweder Entgeltpunkte als "normale" Beitragszeit oder noch einen Zuschlag an Entgeltpunkten für beitragsgeminderte Zeiten, wenn der begrenzte Gesamtleistungswert höher ist.[1]

1.5 Nachgezahlte Beiträge nach Sondervorschriften

Entgeltpunkte für nachgezahlte Beiträge nach Sondervorschriften[1] richten sich entweder nach dem Durchschnittsverdienst des Jahres, für das die Beiträge bestimmt sind ("Für-Prinzip") oder nach dem ungünstigeren "In-Prinzip", d. h., dass die versicherte (individuelle) Beitragsbemessungsgrundlage dem Durchschnittsentgelt des Jahres der Beitragszahlung gegenüberzustellen ist.[2]

1.6 Beitragszeiten vor 1992 bzw. vor 1957

Entgeltpunkte für Beitragszeiten vor 1992 sind im sog. Übergangsre...

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