Elektronische Arbeitsunfähi... / 2 Schritt 1: eAU von Arzt an Krankenkasse

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz wurde der Grundstein für die eAU gelegt. Die Ärzte sind ab dem 1.1.2021 verpflichtet, den Krankenkassen unmittelbar elektronisch die Angaben zur Diagnose unter Nutzung der Telematikinfrastruktur zu übermitteln.[1] Hierbei ist es zusätzlich die Aufgabe des Arztes für den Versicherten einen Ausdruck mit den Diagnosen zu erstellen, der als dessen Information über die übermittelten Daten fungiert.[2] Aufgrund der aktuellen besonderen Belastungen des Gesundheitssystems wird die obligatorische Umsetzung jedoch erst zum 1.10.2021 erfolgen.

Die gesetzlichen Regelungen gelten jedoch nur für die gesetzlichen Versicherten und die für sie tätigen Vertragsärzte und Vertragszahnärzte. Am eAU-Verfahren nehmen daher weder Privatversicherte noch Privatärzte und diesen vergleichbaren Ärzte im Ausland teil.

Krankenhäuser sind hingegen an der eAU beteiligt, sofern sie im Entlassmanagement Arbeitsunfähigkeit für max. 7 Tage nach der stationären Aufnahme feststellen. Gleiches gilt grundsätzlich auch für Rehabilitationseinrichtungen, jedoch ist hier gesetzlich ein Entlassmanagement nur im Zusammenhang mit Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen vorgesehen. Erfolgt eine Rehabilitationsleistung – wie vorrangig üblich bei Arbeitnehmern – zulasten der Rentenversicherung, gibt es keine gesetzliche Grundlage für eine weitergehende Feststellung der Arbeitsunfähigkeit nach dem Ende der Rehabilitationsleistung im Rahmen eines Entlassmanagements, demnach auch keine Möglichkeit für eine eAU.

Die Umsetzung des eAU-Verfahrens von den Ärzten an die Krankenkassen erfolgt auf Basis der gesetzlichen Regelungen und der weiteren vertraglichen Ausgestaltung. Das Nähere zum Verfahren kann daher dem Bundesmantelvertrags-Ärzte (insbesondere die neue Anlage 2b sowie dem technischen Handbuch) entnommen werden. Der Bundesmantelvertrag-Zahnärzte sowie der Rahmenvertrag mit den Krankenhäusern verweisen entsprechend auf diese Regelungen oder setzen diese analog um, wodurch eine einheitliche Anwendung der eAU bei allen Vertragsärzten gewährleistet wird.

2.1 Weitergehende vertragliche Regelungen

Dem Bundesmantelvertrag-Ärzte können insbesondere folgende Besonderheiten entnommen werden:

  • Der Datensatz wird inhaltlich der bisherigen AU-Bescheinigung gleichen.
  • Eine eAU darf analog der bisherigen AU-Bescheinigung weiterhin nur direkt vom Vertragsarzt auf Basis einer Untersuchung festgestellt und attestiert werden. Es bedarf daher aufgrund des hohen Beweiswerts im Zusammenhang mit der Entgeltfortzahlung und dem Krankengeld einer elektronischen Unterschrift, demnach sind eAU's durch den Arzt mittels elektronischem Heilberufeausweis zu signieren.
  • Um den Aufwand der Signatur zu reduzieren, wurde die Möglichkeit einer Stapelsignatur für die Ärzte etabliert. Hierdurch können Ärzte mehrere eAU's zwischenspeichern und dann gesammelt signieren und versenden. Um jedoch eine zeitnahe Übermittlung der Daten im Hinblick auf die Folgeprozesse zu sichern, wurde vereinbart, dass die Ärzte mindestens 1x täglich eAU's signieren und versenden müssen.
  • Die Adressierung der eAU erfolgt an die auf der Krankenversichertenkarte hinterlegte Krankenkasse. Bei Wechsel der Krankenkasse ist es daher zukünftig umso wichtiger, dass der Versicherte rechtzeitig die korrekte neue Krankenversichertenkarte nutzt, da es sonst zu Überschneidungen kommen kann. Die Ärzte sind zwar gesetzlich 1x im Quartal verpflichtet, einen Stammdatenabgleich bei der Krankenkasse durchzuführen, jedoch insbesondere bei Wechseln unterhalb des Quartals können Falschadressierungen nicht ausgeschlossen werden.

2.2 Umgang mit Störfällen

Im Zusammenhang mit den vorhergehenden Regelungen zur Übermittlung von eAU's können Störfälle auftreten. Wie mit solchen Störfällen einheitlich umgegangen werden soll, ist weitgehend im Bundesmantelvertrag-Ärzte definiert. Hier wird nach folgenden Szenarien unterschieden:

Signatur mittels elektronischen Heilberufeausweis nicht möglich

Kann der Datensatz nicht mit dem elektronischen Heilberufeausweis signiert werden, weil dieser z. B. verloren gegangen oder beschädigt wurde, so ist dennoch eine Übermittlung der AU-Daten erforderlich. In diesem Fall kann ausnahmsweise die eAU mittels der Praxiskarte (SMCB) signiert werden. Um die klare Zuordnung zum behandelnden Arzt zu erreichen, hat der Arzt gleichzeitig dem Versicherten eine unterschriebene Version der Ausfertigung für den Versicherten sowie für den Arbeitgeber zu übergeben.

Unterbrechung des Datenaustauschs

Ist die Datenübermittlung gestört, sind vom Arzt alle noch nicht versandten eAU's zu puffern und nach Beseitigung der Störung der Krankenkasse zu übermitteln. Dem Versicherten sind in diesem Fall Ausfertigungen für den Versicherten, Arbeitgeber und der Krankenkasse vom Arzt auszuhändigen, damit trotz des zeitlichen Verzugs bei der Übermittlung Verzögerungen bei der Entgeltfortzahlung oder Krankengeldgewährung vermieden werden können. Durch die Möglichkeit zur Stapelsignatur kann es jedoch auch sein, dass der Ausfall erst festgestel...

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