DIW: Studie kritisiert geringe Einkommensmobilität in Deutschland

Einkommensstarke Personen erben öfter und erhalten deutlich höhere Beträge als einkommensschwache. Ein größeres Vermögen bauen die Gutverdiener aber auch deswegen auf, weil sie auf Grund ihrer sozialen Herkunft selbst bessere Verdienstchancen haben. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die von der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Eine Frage, die sich die Forscher für die Studie stellten war, welche Rolle Erbschaften und Schenkungen für die Vermögensposition der Haushalte und die Vermögensungleichheit im Euroraum spielen. Weil sich die Datenqualität stark unterscheide und nicht für alle Euroländer dieselben Informationen vorliegen, beschränkt sich die Untersuchung laut DIW auf acht Länder: Griechenland, Spanien, Portugal, Zypern, Frankreich, Österreich, Belgien und Westdeutschland. Für Ostdeutschland liegen den Angaben zufolge keine verlässlichen Zahlen zur Bewertung von vor der Wiedervereinigung geerbten Vermögenswerten vor. Bis 2010 war, je nach Land, in 27 bis 40 Prozent aller analysierten Haushalte mindestens eine Erbschaft oder eine Schenkung angefallen, wobei nur Transfers gemeint sind, die von außerhalb des eigenen Haushalts kamen. Die Summe aller Erbschaften und Schenkungen entspricht in Westdeutschland einem Drittel der aktuellen Haushaltsnettovermögen – und ist im Vergleich zu allen anderen Euroländern dieser Studie am höchsten. Nur auf die Empfängerhaushalte bezogen liegt der Anteil in Westdeutschland bei 52 Prozent. Ein Fazit der Studie, die im DIW Wochenbericht 17/2016 erschienen ist, ist, dass mit zunehmendem Einkommen auch die Wahrscheinlichkeit steigt, einen solchen Transfer zu erhalten – zumindest in Österreich, Belgien, Frankreich und Westdeutschland. Bezogen auf Westdeutschland und Österreich zeige sich: "In den einkommensstärksten 20 Prozent aller Haushalte wurde doppelt so häufig geerbt oder eine Schenkung erhalten wie in den einkommensschwächsten 20 Prozent", heißt es in der Mitteilung des DIW. Entscheidend seien die niedrige Bildungs- und Einkommensmobilität. Vermögen werde angespart, vererbt oder verschenkt und damit die starke Vermögensposition über Generationen hinweg gehalten. In den Mittelmeerländern Griechenland, Portugal, Spanien und Zypern gebe es weniger Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen in Bezug auf die Häufigkeit. In allen untersuchten Ländern wurden in einkommensstarken Haushalten jedoch höhere Beträge geerbt als in einkommensschwachen.

Die Studienautoren argumentieren, dass die deutsche Steuerpolitik der vergangenen beiden Jahrzehnte von Entlastungen hoher Vermögen und Einkommen geprägt war: Das Aussetzen der Vermögensteuer, Erleichterungen bei der Unternehmens- und Kapitalertragsbesteuerung sowie niedrige Spitzensteuersätze auf hohe Einkommen habe die ökonomische Ungleichheit erhöht. Auch die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen sei derzeit von Ausnahmeregelungen geprägt und nicht geeignet, der Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken. Grundlage der Studie sind Daten der Studie Household Finance and Consumption Survey (HFCS), die von der Europäischen Zentralbank (EZB) und den Zentralbanken des Euroraums erstmals erhoben wurden. Das HFCS ist eine repräsentative Befragung von Personen in privaten Haushalten.

(PM DIW vom 27.4.2016)

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