Es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen in der Schule ein sicheres und gesundes Leben und Lernen zu ermöglichen, damit sie gut vorbereitet ins Erwachsenenleben starten können. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mal stehen die gesundheitliche Chancengleichheit und der Erwerb von Gesundheitskompetenzen (Health Literacy) und die daraus resultierende Bildungsgerechtigkeit im Fokus, mal die gesamtgesellschaftlichen und ökonomischen Vorteile[1], für wieder andere ist Gesundheit ein ausgewiesener Glücksfaktor oder die entlastenden Auswirkungen auf Eltern sind Motivation, sich für die Gesundheit in der Schule einzusetzen. Diese kurze und unvollständige Aufzählung deutet an, in welcher Bandbreite sich die schulische Gesundheitsförderung befindet und wie sehr sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung verwoben ist.

In der Tat bieten die aktuellen gesellschaftlichen und gesundheitlichen Herausforderungen Anlass zu einer differenzierteren Betrachtung. Der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte insgesamt positiv entwickelt. Insbesondere haben die allgemein verbesserten Lebensbedingungen sowie der Ausbau und die Erhöhung der Qualität der medizinischen Versorgung zu einer gravierenden Verminderung der Säuglings- und Kindersterblichkeit und einem immensen Rückgang von Infektionskrankheiten beigetragen.[2]

Jedoch beschreibt die Gesundheitsberichtserstattung des Bundes eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes insbesondere hinsichtlich psychosozialer Gesundheitsstörungen. So bewältigt unter den Kindern und Jugendlichen mehr als jeder sechste den Schulalltag mit Heuschnupfen (8,8 %), Neurodermitis (7,0 %) und Asthma bronchiale 3,5 %. 16,9 % der Kinder und Jugendlichen zeigen psychische Auffälligkeiten.[3]Fast 200.000 der unter 18-Jährigen galten im Jahr 2019 bundesweit als schwerbehindert.[4]Hinzu kamen im Jahr 2019 insgesamt 828.720 gemeldete Schulunfälle in allgemeinbildenden und 53.772 in beruflichen Schulen sowie insgesamt 94.581 Schulwegunfälle.[5]Alle betroffenen Kinder und Jugendlichen bedürfen punktueller oder dauerhafter Unterstützung in der Schule.

Hinzu kommt der bundesweit laufende Ausbau ganztägig arbeitender Schulen. Waren es im Jahr 2002 etwa 10 % ganztägig arbeitende Schulen, ist der Anteil der Ganztagsschulen insgesamt auf 67,5 % im Jahr 2018 angestiegen.[6]Damit geht auch die ganztägige Verantwortungsübernahme der Schule für die Gesundheit und die Entwicklung von Gesundheitskompetenzen (z. B. zur Bewertung von Gesundheitsinformationen oder durch Wissen über Hilfsangebote) der Schülerinnen und Schüler einher. 20,5 % der Kinder waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2019 armutsgefährdet. Darunter befinden sich Kinder, die ein unzureichendes Ernährungsangebot erhalten, denen eine medizinische Grundversorgung fehlt und die in einer ungesunden Wohnumgebung aufwachsen.[7]Hinzu kommen die Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention, die einen Anspruch auf Beschulung im Regelschulbetrieb mit sich bringt. Eine weitere Herausforderung ist die Zunahme der Zahl der Kinder mit Förderbedarf. Viele Schulen sehen sich gerade dort außerstande, die Schülerinnen und Schüler angemessen zu fördern, wo das vorhandene schulische Personal in Gesundheitsfragen aus zeitlichen oder inhaltlichen Gründen nicht helfen kann oder aus rechtlichen Gründen nicht helfen darf.

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Wenn es richtig ist, dass Gesellschaft und Schulen in einer gegenseitigen Wechselwirkung stehen, dann lohnt sich ein Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Eine dieser gesellschaftlichen Veränderungen ist eine veränderte Sichtweise auf die Gesundheit. Die gesellschaftliche Sichtweise hat sich nicht erst jüngst durch Masernschutz und die Präventionsmaßnahmen im Rahmen der SARS-CoV-2-Epidemie verändert. Neben den wirtschaftlichen, medialen und technologischen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts haben der gesundheitswissenschaftliche Fortschritt und die Alltagserfahrungen vieler Menschen zu Veränderungen geführt: Eine gestiegene Bedeutung gesunder und nachhaltiger Lebensmittel, die erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber der psychischen Gesundheit und die gestiegene Bedeutung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sind Belege dieser Entwicklung. Hinzu kommt eine Vielzahl von Regelungen aus dem Bereich des Arbeitsschutzes und die zunehmende Einbindung der Beteiligten. All diese Entwicklungen machen deutlich: Gesundheit wird mittlerweile als aktives Thema verstanden, zu dem alle etwas beitragen können und müssen. Gesundheit ist nicht nur eine Wissens-, sondern auch eine Haltungsfrage. Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nach dem Konzept der intersektoralen Gesundheitspolitik (Health in All Policies-Ansatz) in allen Lebenswelten politisch bedacht und gefördert werden muss. Gesundheit muss also in allen Politikfeldern und allen Bereichen öffentlichen Handelns eine Rolle spielen.[8]

Was bedeutet dies nun für die Sch...

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