07.09.2016 | Krankenhäuser

Risiken durch verstopfte Notaufnahmen

Patienten verstopfen Notaufnahmen mit leichten Erkrankungen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Volle Flure, gestresstes Personal: Wer in die Notaufnahme ins Krankenhaus geht, muss auf die ersehnte Hilfe oft lange warten. Denn für immer mehr Patienten ist es die erste Anlaufstelle. Aus Sicht der Krankenkassen für zu viele.

Die Notaufnahmen in Deutschlands Krankenhäusern werden nach einer neuen Studie durch Millionen Patienten mit leichteren Erkrankungen verstopft. Lebensbedrohlich erkrankte Patienten drohen so oft zu spät behandelt zu werden. «Viele Patienten wissen heute nicht, an wen sie sich im Notfall wenden sollen», sagte die Vorsitzende des Ersatzkassenverbands vdek, Ulrike Elsner, bei der Vorstellung einer neuen Studie am 6. September 2016 in Berlin.

Jedes Jahr 20 Millionen Menschen in Notaufnahme

Krankenhäuser tendierten zudem dazu, leichtere Fälle stationär aufzunehmen, obwohl das eigentlich gar nicht nötig sei. Mehr als 20 Millionen Menschen landeten so mittlerweile jedes Jahr in der Notaufnahme, sagte Ulrike Elsner. Laut der Studie des Instituts AQUA gibt es Steigerungsraten von vier bis neun Prozent pro Jahr. Bei bis zu zwei Drittel der Patienten reiche eine rein ambulante Betreuung, sagte AQUA-Geschäftsführer Joachim Szecsenyi.

Notdienstpraxen Entlastung Notaufnahmen nicht

Zwar gibt es 600 Notdienstpraxen, um die Notaufnahmen zu entlasten. Die meisten dieser Praxen seien in Kliniken angesiedelt, doch viele seien dort räumlich eher versteckt. Oft fehle es diesen Praxen zudem an Standards und klaren Regeln für die Zusammenarbeit mit den Notaufnahmen.

Einrichtung von Portalpraxen gefordert

Die Ersatzkassen fordern, dass an jeder der 1.600 Kliniken mit Notfallversorgung Portalpraxen eingerichtet werden. Das sollen erste Anlaufstellen sein, in denen die Patienten eingeteilt werden. In akute Fälle für die Notaufnahme, akute Fälle für eine ambulante Behandlung und nicht akute Fälle für Arztpraxen.

Patienten, die nicht sofort behandelt werden müssten, sollten den Vorstellungen zufolge auch an normale Arztpraxen vermittelt werden, sofern sie zu Sprechstundenzeiten in der Klinik vorstellig wurden. Die bestehenden Notdienstpraxen sollen nach diesen Vorstellungen bestehen bleiben, so dass dort ambulante Behandlungen gemacht werden können, die nicht in eine stationäre Einweisung münden.

Notfallversorgung ist ein Minusgeschäft für Kliniken

Studienautor Szecsenyi führte die Probleme auch auf Wissenslücken bei vielen Patienten zurück. «Früher hat die Großmutter bei einem fiebernden Kind einen Wadenwickel gemacht, heute weiß niemand mehr, wie man einen Wadenwickel macht.» Vielfach unbekannt sei zudem die ärztliche Bereitschaftsnummer 116117.

Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) ist die Notfallversorgung für die Kliniken ein milliardenteures Minusgeschäft. «Einem durchschnittlichen Erlös von rund 40 Euro pro ambulanten Notfall stehen Fallkosten von mehr als 100 Euro gegenüber», sagte DKG-Geschäftsführer Georg Baum. Ein neues Vergütungssystem sei nötig, doch Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stünden hier auf der Bremse.

Weitere News:

Arzneimittelverordnung während stationärer Behandlung

Ärzte von Pharmaindustrie für Pseudo-Studien bezahlt

Schlagworte zum Thema:  Krankenhaus, Notfall, Ärztliche Behandlung

Aktuell

Meistgelesen