31.05.2013 | Serie Volkskrankheiten

Rheuma: Eine Erkrankung - viele Gesichter

Serienelemente
Rheuma ist nicht heilbar. Die Symptome lindert Rehabilitationssport.
Bild: Haufe Online Redaktion

Rheuma ist weit verbreitet: Rund 20 Millionen Menschen sind von einem der vielen Krankheitsbilder betroffen. Besonders häufig treten Gelenkentzündungen und Verschleißerscheinungen auf.

Rheuma hat mehr als 100 Krankheitsbilder. «Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation sind unter Rheuma alle Schmerzen am Bewegungsapparat mit Tendenz zur Chronifizierung zu verstehen», erläutert Prof. Matthias Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Berlin.

In Deutschland leiden schätzungsweise rund 20 Mio. Menschen unter Rheuma.

Rheumatische Erkrankungen werden nach Erscheinungsbild in 4 Hauptgruppen zusammengefasst:

  • degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen,
  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen,
  • Weichteilrheumatismus und
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden.

«Zahlenmäßig die größte Gruppe sind Patienten mit Verschleißerkrankungen», erläutert Edmund Edelmann vom Berufsverband Deutscher Rheumatologen.

Arthrose – Schmerzen durch Abnutzung

Die bekannteste Form der degenerativen rheumatischen Erkrankung ist die Arthrose sie tritt vor allem in Hüfte oder Kniegelenk auf. Der Knorpel wird nicht richtig durchblutet und kann sich nicht regenerieren. Es kommt zu Abnutzungserscheinungen, die „Pufferwirkung“ nimmt ab und die Gelenke schmerzen bei Belastung. Beste Möglichkeit vorzubeugen ist, Fehl- und Überbelastungen zu vermeiden und die Gelenke zu bewegen. Hierzu bietet sich Rehabilitationssport an, empfiehlt Prof. Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga.

Arthritis – Schmerzen durch Entzündung

Auch bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind die Gelenke betroffen. Haupterkrankung dieser Gruppe ist die Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis). Frühsymptome sind mehrere, über einen Zeitraum von mehreren Wochen geschwollene Gelenke. Daneben ist ein Ruheschmerz etwa in der zweiten Nachthälfte oder am Morgen typisch, sowie eine meist länger andauernde Gelenksteifigkeit.

Bei der 2. großen Untergruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, den seronegativen Spondyloarthritiden, können sowohl Gelenke als auch die gesamte Wirbelsäule entzündet sein. Das bekannteste Krankheitsbild ist Morbus Bechterew. Seltener sind entzündlich-rheumatische Bindegewebserkrankungen und Gefäßentzündungen.

Weichteilrheumatismus

Bei der 3. Hauptgruppe der rheumatischen Erkrankungen, dem Weichteilrheumatismus, ist die Funktion von Muskeln, Sehnen oder Bändern gestört. Dies ist nicht unbedingt dauerhaft wie z. B. bei Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündung. Beim Fibromyalgie-Syndrom leidet der Erkrankte unter chronischen Schmerzen in mehreren Körperteilen, Begleitfaktoren sind Schlafstörungen und starke Müdigkeit. Tückisch dabei: Fibromyalgie ist weder durch Laborbefunde zu beweisen noch durch Medikamente zu behandeln.

Rheumatische Stoffwechselerkrankungen

Zur 4. Hauptgruppe schließlich zählen Folgen von Erkrankungen, die außerhalb der Bewegungsorgane auftreten. Dabei haben Stoffwechselerkrankungen einen großen Anteil – zum Beispiel starke Rückenschmerzen oder gar Knochenverlust bei Osteoporose oder Anreicherung von Harnsäurekristallen und folgende Entzündung in Gelenken bei Gicht.

Rheuma: nur behandelbar – nicht heilbar

Bis auf einzelne Formen von Weichteilrheumatismus gilt für alle rheumatischen Erkrankungen: «Was an Schaden da ist, können wir nicht mehr beheben. Wir können nur die weitere Schädigung des Körpers verhindern», betont Schneider. Wichtig ist daher, frühzeitig zum Arzt gehen. Der diagnosestellende Hausarzt vermittelt dann an den richtigen Facharzt weiter. Dies ist für Verschleißerkrankungen der Orthopäde, für alle anderen Krankheitsbilder der Rheumatologe.

Rechtzeitig zum Facharzt

Nur die Hälfte der Patienten mit einer rheumatischen Arthritis geht innerhalb des ersten halben Jahres zum Rheumatologen. «Der Patient selbst geht zu spät zum Arzt, weil er glaubt, die Beschwerden gingen wieder weg oder weil er deren Dauer unterschätzt. Schließlich beginnt diese Krankheit meist nicht mit einem Paukenschlag, sondern schleichend.» Wenn zu lange gewartet wird, kostet der Weg über den Hausarzt häufig Zeit und der Facharzt hat zudem kurzfristig keinen Termin frei.

Selbsthilfegruppen unterstützen Betroffene

Stehen Diagnose und Therapieplan sind Selbsthilfegruppen weitere wichtige Ansprechpartner. Denn Rheumatiker werden den Rest ihres Lebens von der Krankheit begleitet sein. «Rheuma-Patienten wollen im Prinzip ein ganz normales Leben weiterführen. Doch die Ärzte haben in ihren Sprechstunden gar keine Zeit, sich mit diesem Aspekt der Krankheit ausreichend auseinanderzusetzen», sagt Gromnica-Ihle. Der Austausch mit anderen Betroffenen und der Kontakt zu geschulten Beratern außerhalb der Arztpraxis ist dann besonders wichtig.

Rheuma und die Psyche

Schneider weist auch auf psychologische Aspekte von Rheuma hin: «Die Patienten sprechen ungern über ihre Krankheit. Wenn ein Maurer mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung jedoch einfach weiter seiner Arbeit nachgeht, ist das sicherlich kontraproduktiv und nicht ewig machbar.» Ergänzend zu einer Selbsthilfegruppe könne daher ein Psychologe beim Umgang mit der Krankheit helfen.

Schlagworte zum Thema:  Volkskrankheit, Rehabilitationssport, Selbsthilfe, Rheuma, Prävention

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