| Häusliche Pflege

Viele pflegende Angehörige laut DAK-Studie überfordert

Gefühl der Überforderung steigt an, wenn die gepflegte Person dement ist.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Pflege von Angehörigen kann sehr belastend sein. Pflegen Kinder ihre Eltern, können dabei auch alte Familienkonflikte aufbrechen, was die Situation zusätzlich erschwert. Pflegende Angehörige brauchen daher bessere Unterstützung.

Pflege von Angehörigen ist immer noch Frauensache - doch deren Bereitschaft nimmt inzwischen ab. Wie aus dem am 24.9.2015 veröffentlichten Pflegereport 2015 der DAK-Gesundheit weiter hervorgeht, nehmen zu 90 Prozent Frauen diese Belastung auf sich. Ein Drittel der pflegenden Frauen sei berufstätig, davon ein Fünftel in Vollzeit. Immerhin steige die Zahl pflegender Männer inzwischen etwas an.

Viele pflegende Angehörige fühlen sich überfordert

Die pflegenden Angehörigen sind eine tragende Säule des deutschen Pflegesystems. Doch diese Säule ist sehr belastet, heißt es in dem Report, der sich dieses Mal auf die Lage der pflegenden Angehörigen konzentrierte. Viele von ihnen fühlen sich manchmal überfordert mit ihren Aufgaben - körperlich (50 Prozent) vor allem begleitet von Rückenbeschwerden, aber auch psychisch (68 Prozent) oder zeitlich (71 Prozent). 

Derzeit gibt es in Deutschland rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige. Schätzungen zufolge könnte sich deren Zahl bis 2050 verdoppeln. Ein Fünftel aller Pflegebedürftigen lebt in Heimen. 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden immer noch zu Hause betreut. Die Hauptlast tragen also Angehörige, meistens die Kinder, Partnerinnen und Partner der Betroffenen. Ohne sie würde das Pflegesystem zusammenbrechen, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher.

Alle Pflegestufen in häuslicher Pflege vertreten

Gepflegt werden überwiegend Menschen mit Pflegestufe Eins (knapp 50 Prozent). Doch auch die Stufen Zwei (30 Prozent) und Drei (zehn Prozent) sind mit ihrem intensiven Betreuungsbedarf in der häuslichen Pflege vertreten. Belastung und damit auch das Gefühl der Überforderung steigen dem Report der Krankenkasse zufolge, wenn die gepflegte Person dement ist. Bei jedem dritten Befragten ist das der Fall.

Rund 20 Prozent aller pflegenden Angehörigen leiden laut Report unter einer Depression. Auch Angst- oder Schlafstörungen kommen gehäuft vor. Insgesamt leidet etwa die Hälfte aller Pflegepersonen an psychischen Problemen, deutlich mehr als nicht-pflegende Menschen.

Pflegestärkungsgesetz II soll pflegenden Angehörigen helfen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will mit seinem Pflegestärkungsgesetz II gerade auch die pflegenden Angehörigen besserstellen. Doch die Pflegeversicherung kann nur einen Bruchteil dessen abdecken, was für den Menschen ein erträgliches Leben ist.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der dpa, die Pflegenden nähmen die Unterstützungsangebote kaum an. So schätze die Bundesregierung selbst, dass sich in drei Jahren maximal ein halbes Prozent aller 1,25 Millionen Betroffenen vom Job freistellen lassen werde und die Pflege- und Familienpflegezeit in Anspruch nehme. «Das wären 6750 Pflegende.» Auch das Darlehensangebot werde nicht viele Menschen erreichen.

Schlagworte zum Thema:  Pflege, Häusliche Pflege, Pflegestufe

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