15.04.2014 | Versorgungslücke

Ärztemangel trotz steigender Zahl von Medizinern

Ärztemangel wird größer
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zahl an Medizinern steigt, trotzdem warnt die Ärzteschaft vor einem verschärften Ärztemangel. Der Grund: Immer mehr Ärzte stehen vor dem Ruhestand. Auf dem Land und in der Allgemeinmedizin bestehen Lücken.

Trotz einer Steigerung der Mediziner-Zahl um 2,5 Prozent warnt die Ärzteschaft vor einem verschärften Mangel in Deutschland. Rund 357.200 in ihrem Beruf arbeitende Ärzte gab es im vergangenen Jahr, wie aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Statistik der Bundesärztekammer hervorgeht. Kammerpräsident Frank Ulrich Montgomery sagte dennoch: «Der Ärztemangel und der Mangel an Arztstunden sind keine Prognose mehr, sondern in vielen Regionen Deutschlands längst Realität.»

Montgomery warnt vor größer werdendem Ärztemangel

Hauptsorge der Ärztevertreter: das im Schnitt steigende Alter der Mediziner und der bevorstehende Ruhestand vieler Praxisärzte. Bei den niedergelassenen Medizinern stieg das Durchschnittsalter innerhalb eines Jahres von 52,8 auf 53,1 Jahre. Die Zahl der Ärzte im Ruhestand oder in anderen Berufen stieg um knapp 3.000 auf rund 113.200. Mehr als 60 Prozent dieser noch bei den Ärztekammern gemeldeten Mediziner sind aus Altersgründen ausgeschieden. Montgomery geht vor dem Hintergrund der Altersstruktur davon aus, dass sich der Mangel in den kommenden Jahren verschärfen werde.

Junge Ärzte häufig in Teilzeit

Mehr Ärzte arbeiten zudem in Teilzeit. Junge Ärzte seien zu Recht nicht mehr bereit, ihr Leben allein nach dem Wünschen von Kliniken oder großen Anforderungen von Praxen auszurichten, so Montgomery.

Für manche Regionen kein Arzt zu finden

Aus Sicht der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist nicht die Anzahl der Ärzte das Problem, sondern dass sich für manche Regionen kein Hausarzt finden lasse. «Auch in der ambulanten Versorgung müssen mehr Kooperationen und mehr Anstellungsmöglichkeiten angeboten werden, damit jungen Ärzten der Weg in die Praxis und aufs Land erleichtert wird», sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

Anschubfinanzierung für Hausärzte

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) forderte mehr Anreize für Mediziner auf dem Land. Das in Bayern bereits existierende Hilfsprogramm mit einem Volumen von 15,5 Millionen Euro solle ausgeweitet werden. So würde heute schon Hausärzte mit einer Anschubfinanzierung unterstützt, die sich in kleinsten Gemeinden niederlassen. Ferner gebe es Stipendien für Medizinstudenten, die ihre Facharzt-Weiterbildung im ländlichen Raum absolvieren.

Unterschiedliche Verteilung

Laut Statistik stehen den rund 145.900 ambulant arbeitenden Ärzten 181.000 Mediziner in Krankenhäusern gegenüber. In Behörden, dem öffentlichen Gesundheitsdienst oder anderen Bereichen arbeiten zudem 30.300 Ärzte. Als Allgemeinarzt anerkannt wurden im vorigen Jahr etwa 1.100 Ärzte, weitere Facharzt-Anerkennungen erhielten 10.000 Mediziner. Insgesamt verzeichnet die Statistik 43.200 Allgemeinmediziner.

Schlagworte zum Thema:  Ärztemangel, Krankenkasse, Hausarzt, Facharzt, Versorgungslücke

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