22.02.2012 | Leistungen Sozialversicherung

Versand neuer Gesundheitskarten: Die alte nicht vernichten!

Wenn jemand über eine "dicke Geldbörse" verfügt, muss das noch lange nicht an vielen Scheinen liegen. Denn zu den vielen gesammelten Karten gesellt sich jetzt die doppelte Gesundheitskarte.

Die Krankenkassen klagen zunehmend, dass Kunden die alte Karte zurücksenden oder gar selbstständig vernichtet haben, nachdem die neue Karte eingetroffen ist. Dadurch entsteht nicht nur ein erhöhter Verwaltungsaufwand, sondern es werden auch zusätzliche, vermeidbare Kosten produziert. Denn es kommt in diesen Fällen zu der paradoxen Situation, dass die Versicherten neu versorgt werden müssen – mit einer „alten“ Karte.

 

 

Für Übergangszeit beide Karten nutzen

Wer mit der neuen Gesundheitskarte alles auf eine Karte setzt, kann beim nächsten Arztbesuch mit zusätzlichem Aufwand rechnen, wenn die Karte nicht eingelesen werden kann. Zwar wird kein Arzt die Behandlung verweigern oder den Termin platzen lassen, doch muss spätestens dann eine herkömmliche Krankenversichertenkarte nachgereicht werden. Offensichtlich ist vielen Kassenmitgliedern noch nicht klar, dass für eine (noch zeitlich unbestimmte) Übergangszeit beide Karten vorhanden sein müssen. Für eine vierköpfige Familie macht das dann immerhin 8 Krankenkassenkarten aus.

Probleme mit dem Befreiungsausweis

Auch in den Arztpraxen kommt es durch die neue Karte zu Anlaufschwierigkeiten: Viele Praxisverwaltungssysteme sind nicht darauf ausgerichtet, dass das Feld „Zuzahlungsbefreiung“ auf der neuen Karte mit „0“ belegt ist, obwohl der Patient nach seinen eigenen Angaben befreit ist. Doch das hat ausschließlich technische Gründe: Die Funktion steht erst zur Verfügung, wenn die Praxissoftware online die Versichertenstammdaten abgleichen kann. Und solange dieses Verfahren noch nicht freigeschaltet ist, füllt die Kassensoftware dieses Feld mit „0“. Die Patienten sollten also tunlichst ihren Befreiungsausweis weiterhin zusätzlich vorzeigen können. Womit eine vierköpfige Familie dann auf 12 Krankenkassenausweise in der Geldbörse kommt…

Hintergrund

Seit rund 5 Monaten läuft die Ausgabe der neuen elektronischen Gesundheitskarte mit Lichtbild. Der AOK Bundesverband meldete kürzlich, dass bereits mehr als 2,5 Mio. neue Karten an die Versicherten verteilt wurden. Der neue Versichertenausweis wird Zug um Zug ausgegeben - nicht alle Kassenmitglieder erhalten die neue Gesundheitskarte gleichzeitig. Das hat im Wesentlichen 2 Gründe: Einerseits ist es schlicht logistisch einfacher zu handhaben, andererseits sind noch längst nicht alle Leistungserbringer wie Ärzte und Krankenhäuser technisch in der Lage, die neue Gesundheitskarte einzulesen.

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