| Transplantationsgesetz

Neuer Transplantationsskandal aufgedeckt

Wieder wurden Transplantationslisten manipuliert.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Skandale um manipulierte Transplantationsunterlagen machen bundesweit die Runde: Nach Göttingen, Regensburg und München ist jetzt Leipzig an der Reihe. Bei Lebertransplantationen wurde bei den Laborwerten für die Wartelisten geschummelt.

Auch 2013 startet für die Transplantationsmedizin mit negativen Schlagzeilen: An der Uniklinik Leipzig sind Auffälligkeiten bei Lebertransplantationen aufgedeckt worden. Der Klinikdirektor und 2 Oberärzte wurden vom Dienst entbunden. Damit haben innerhalb eines halben Jahres bereits 4 der 47 deutschen Transplantationszentren einen eigenen Skandal.

Aufdeckung infolge der Enthüllungen des vergangenen Jahres

Seit September 2012 werden durch die Prüf- und die Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Kliniken und Krankenkassen alle deutschen Transplantationszentren überprüft. Gestartet wurde mit den Lebertransplantationen. Aufgrund dessen wurden bereits die mutmaßlichen Manipulationen von Laborwerten für die Wartelisten für einen Leber in München aufgedeckt, was eine Reihe von weiteren Unregelmäßigkeiten in Göttingen, Regensburg und letztlich Leipzig ans Tageslicht brachte. Nun ermittelt sie Staatsanwaltschaft.

So wird manipuliert

Das Muster ist immer wieder gleich: manipulierte Laborwerte und erfundene Dialysen. Die Patienten werden so gegenüber Eurotransplant kränker dargestellt, als sie eigentlich sind. Ziel ist, dass der MELD-Score eines Patienten steigt und damit seine Chance, schnell eine passende Spenderleber zu erhalten. Je höher der Wert, desto eher benötigt der Patient eine neue Leber.

Was geschah in Leipzig?

In Leipzig ist von "erfundenen" Hämodialysen die Rede, also von Dokumentenfälschung. Das Uniklinikum Leipzig bestätigte am 1.1.2013 "Hinweise auf Dokumentationsmängel und Regelverstöße". Es seien für "eine erhebliche Zahl von Patienten, bei denen ein Nierenersatzverfahren an Eurotransplant gemeldet wurden, die tatsächliche Durchführung dieser Therapie von den verantwortlichen Transplantationschirurgen nicht nachgewiesen werden".

Es wurden scheinbar an Eurotransplant Dialysen gemeldet, die nie stattgefunden haben. In Zahlen: Von 54 an Eurotransplant gemeldeten Dialyse-Patienten haben 37 nie eine Dialyse erhalten. Die Prüfung der Patientenakten aus den Jahren 2007 bis 2012 dauert allerdings noch an.

Warum wird geschummelt?

Die Motive der Ärzteschaft bei den erfundenen Dialysen in Leipzig liegen noch im Dunkeln. Denn mit manipulierten Laborwerten für Organwartelisten lässt sich nichts verdienen, der finanzielle Anreiz ist verschwindend gering. Ein naheliegendes Motiv wäre: die Hingabe zum Beruf und Prestige.

Ärzte in der Transplantationsmedizin kämpfen mit jedem Tag gegen den Tod. Die Versuchung ist groß, sich stark für einen den Patienten einzusetzten - möglicherweise bis hin zur Dokumentenfälschung.

Prestige ist wichtig: In der Transplantationsmedizin kämpfen die Zentren um jeden Patienten und jedes Organ. Das alles geschieht unter einem enormen Kostendruck der sich nur mit einer ausreichenden Anzahl von Eingriffen rechnet.

Schlagworte zum Thema:  Transplantationsgesetz, Eurotransplant, Organspende

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