22.05.2013 | Serie Volkskrankheiten

Stoffwechselstörung: zu viel Zucker und Cholesterin im Blut

Serienelemente
Durch Bluttest werden erhöhtes Cholesterin und Diabetes festgestellt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Oft reiner Zufall: die Diagnose von Diabetes oder erhöhtem Cholesterin. Für Stoffwechselstörungen verantwortlich gemacht wird unsere Wohlstandsgesellschaft. Simpel die Ursachen, fatal die Folgen. Doch Stoffwechselstörungen können vorgebeugt werden.

Krankhaft erhöhte Blutzucker- oder Blutfettwerte verursachen anfangs meist keine spürbaren Beschwerden. Darum ist rechtzeitiges Erkennen wichtig. Denn die Volkskrankheiten Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen mit zu hohen Cholesterinwerten können dramatische Folgen haben.

Diabetes kann zu Nerven- und Nierenschäden oder Erblindung führen. Herzinfarkt oder Schlaganfall sind oft Spätfolgen von zu hohem Cholesterin. Tückisch dabei ist, dass beide Stoffwechselerkrankungen gerne gleichzeitig auftreten.

Was ist eine Stoffwechselstörung?

«Unter einer Stoffwechselstörung versteht man eine Störung bei der Umwandlung von Nahrungsmitteln in die Bausteine, die der Körper zum Leben braucht», erläutert Prof. Erika Baum, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Bei Diabetes verwertet der Körper die Zuckerbausteine aus der Nahrung nicht richtig, weil er das dazu nötige Hormon Insulin nicht in ausreichendem Maß herstellt.

Stoffwechselstörungen sind Life-Style-bedingt

Stoffwechselstörungen sind relativ selten angeboren. Und wenn doch, werden sie in der Regel direkt nach der Geburt per Bluttest entdeckt und therapiert. Bei später entstehenden Stoffwechselstörungen spielen häufig Gene, Lebensstil und Alter gemeinsam eine Rolle. Laut Prof. Klaus Parhofer von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) entwickeln diese dann über Jahre hinweg unbemerkt Folgeerkrankungen, die bei rechtzeitiger Behandlung vermeidbar gewesen wären.

Altersdiabetes wird zum Phänomen der Jugend

In Deutschland haben schätzungsweise 6 Mio. Menschen Diabetes. «Bei den über 60-Jährigen ist es fast jeder Fünfte», erläutert Prof. Harald Klein von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Mit dem Alter nehme das Diabetesrisiko klar zu. Gleichzeitig werden jedoch die Patienten auch immer jünger. Zunehmend mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Diabetes Typ 2 – der umgangssprachlich auch «Altersdiabetes» genannt wird. Das könnte mit dem Lebensstil zusammenhängen: zu wenig Bewegung und zu gehaltvolle Ernährung sind Faktoren.

Diabetes wird von den Eltern vererbt

Auch bei Typ 2 Diabetes gibt es eine erhebliche erbliche Komponente. Das Erkrankungsrisiko ist höher, wenn Eltern oder nahe Verwandte betroffen sind. «Trotzdem hatte in Hungerzeiten kaum jemand Typ-2-Diabetes», erklärt Klein. Durch die Wohlstandsgesellschaft mache sich die genetische Veranlagung bemerkbar, die bei manchen Menschen so ausgeprägt sei, dass sich schon ein kleines bisschen Übergewicht ein Diabetes entwickelt.

Zusammenspiel der Risikofaktoren

Die Zahl der Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung ist laut Parhofer nicht genau zu beziffern. Denn nur bei Herzinfarktpatienten gilt das schlechte LDL-Cholesterin ab einem bestimmten Wert als behandlungsbedürftig. Bei ansonsten Gesunden ist das nicht nötig. Ist jemand dick und fit, ist das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung geringer als bei einem dicken unfitten Menschen. Genau an einem Wert festzumachen ist das nicht, da mehrere Faktoren zusammenkommen müssen.

Indikator Bauchumfang

Ein Typ-2-Diabetiker hat sehr häufig auch eine Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck. Es wird angenommen, dass dafür maßgeblich das vermehrte Fettgewebe in der Bauchhöhle verantwortlich ist und das Risiko für Diabetes Typ 2 und Erkrankungen des Herzens und der Gefäße erhöht.

Einen Hinweis auf diese Gefahr kann der Bauchumfang liefern: In Deutschland gelten 102 cm bei Männern und 88 cm bei Frauen als gefährlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zieht engere Grenzen. Dort gelten bereits Werte ab 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen als bedenklich.

Das metabolische Syndrom

Liegen ein Diabetes, eine Fettstoffwechselstörung, Übergewicht und/oder Bluthochdruck parallel vor, sprechen Fachleute vom metabolischen Syndrom.

Eine erhöhte Gefahr besteht

  • bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes
  • bei Patienten mit Herzproblemen, erhöhtem Blutdruck, Diabetes oder
  • bei starken Rauchern.

Diese Risikogruppen sollten die Cholesterinwerte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Check-up-35 regelmäßig überprüfen und ggf. behandeln lassen.

Schlagworte zum Thema:  Diabetes, Volkskrankheit, Cholesterin, Schlaganfall, Vorsorgeuntersuchung, Herz-Kreislauferkrankung

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