19.04.2013 | Nutzen und Kosten von Medikamente

Sind hohe Kosten von Arzneimitteln berechtigt?

Arzneimittel auf dem Prüfstand
Bild: Haufe Online Redaktion

Millionen Patienten nehmen vergleichsweise teure Arzneimittel Präparate ein. Jetzt kommen diese erstmals auf den Prüfstand: Halten diese Mittel tatsächlich, was sie versprechen oder kosten sie nur mehr als altbewährte Medizin?

Gängige Arzneimittel gegen Schmerzen, Herzleiden, Diabetes und andere Krankheiten werden einer neuen Prüfung mit dem Ziel enormer Einsparungen unterzogen. Dazu machte das oberste Gremium des deutschen Gesundheitswesens, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, am 18.4.2013 den Weg frei. Er beschloss erstmals einen Fahrplan für eine Bewertung dieser breit angewendeten Medikamente, die den Pharmakonzernen teils hohe Umsätze bringen.

Wirkstoffgruppen für Nutzenbewertung

Insgesamt für 6 Wirkstoffgruppen wurde eine Nutzenbewertung beschlossen, darunter auch für Mittel gegen Osteoporose, Depressionen und rheumatoider Arthritis. «Pharmazeutische Unternehmen können damit nachvollziehen, ob und wann ihre Präparate einer Nutzenbewertung unterzogen werden.»

Nur was gut ist, darf auch teuer sein

Auf den Prüfstand stellen will der G-BA solche Medikamente auf Basis von Dossiers der Hersteller und einer wissenschaftlichen Expertise. Auf Grund dieser Nutzenbewertung sollen Kassenverband und Hersteller über den Erstattungspreis verhandeln - nur was mehr bringt als Altbewährtes ohne Patentschutz, soll auch mehr kosten.

Kritik der Industrie

Die Industrie reagierte mit Kritik. Zwar ist das Verfahren vom Gesetzgeber mit der schwarz-gelben Pharmareform AMNOG angestoßen. Entgegen früherer Zusagen sei die Industrie aber nicht an der Vorbereitung der Bewertungen beteiligt gewesen. «Aus Sicht der Herstellerverbände muss daher das Vorgehen des G-BA dringend überdacht werden.» Einzelne Unternehmen könnten diskriminiert werden.

Positive Reaktion der Krankenkassen

Die Krankenkassen hingegen begrüßten die Bewertung der Mittel. «Wir wollen und müssen da jetzt ran, denn aus den Portemonnaies der Beitragszahler sollte nur das zusätzlich bezahlt werden, was auch einen Zusatznutzen hat», sagte ihr Verbandssprecher Florian Lanz..

Neu: Untersuchung des Mehrwerts neuer Arzneimittel

Bereits bisher gibt es das Verfahren der Nutzenbewertung. Aber nur zahlreiche neue Mittel wurden bisher - gleich nach der Markteinführung - auf ihren Mehrwert gegenüber älteren Mitteln bewertet. In rund 3 Dutzend Fällen schloss der G-BA Bewertungsverfahren ab. In vielen Fällen wurde ein Zusatznutzen anerkannt, teils aber nur für weit weniger Patienten als von den Herstellern angegeben. In einigen Fällen stoppten Firmen Neuentwicklungen in Deutschland, etwa Boehringer Ingelheim und Lilly das Diabetesmittel Trajenta, weil sie keinen ausreichenden Erstattungspreis erwarteten.

Nervosität der Pharmaindustrie

Die nun folgende Bewertung von Präparaten des sogenannten Bestandsmarkts war von der Branche mit wachsender Nervosität erwartet worden. Insgesamt haben die Mittel dieses Markts nach Industrieangaben ein Umsatzvolumen von rund 5 Milliarden Euro. Auf mehr als 31 Milliarden Euro waren die Kassen-Ausgaben für Arzneimittel im vergangenen Jahr gestiegen.

Schlagworte zum Thema:  Arzneimittel, Krankenkasse

Aktuell

Meistgelesen