06.11.2012 | Rentenreform

Fragen und Antworten zur Lebensleistungsrente

Fragen und Antworten zur Lebensleistungsrente
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Erwartungen waren hoch. Ob sie erfüllt werden, muss sich erst noch zeigen. Auch bei genauem Hinsehen ist noch nicht klar, wie sich die Beschlüsse der Koalitionsspitzen gegen Altersarmut konkret auswirken werden. Einige interessante Fragen haben wir zusammengestellt.

Was wurde vereinbart?

Die Renten von Geringverdienern, die auch nach 40 Beitragsjahren und privater Zusatzvorsorge noch unter der Grundsicherung liegen, sollen künftig aus Steuermitteln aufgestockt werden. Der Deckel für die Aufstockung soll aber «nur knapp» - wohl 10 oder 15 Euro - über der Grundsicherung liegen.

Was heißt das? 

Die Obergrenze, bis zu der Alterseinkommen aufgestockt wird, orientiert sich - wie erst nach der Nacht der Entscheidung bekannt wurde - am höchsten Grundsicherungssatz in Deutschland. Der Betrag differiert von Ort zu Ort und ist nach derzeitigem Erkenntnisstand mit knapp 830 Euro in Düsseldorf am höchsten. Knapp darüber müsste nach dem Beschluss die Aufstockungsobergrenze liegen, also bei 840 oder 850 Euro, vielleicht aber auch noch einen Tick darüber. Nach neuen Zahlen beträgt die Grundsicherung im Schnitt 707 Euro im Monat.

Wie sollen Minirenten aufgewertet werden?

Die Rentenansprüche von Geringverdienern sollen wie schon bei der Zuschussrente um 50 % auf maximal einen Entgeltpunkt pro Jahr aufgewertet werden. Das sind 28 Euro im Monat. Wer Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, dessen Rentenanspruch soll um 150 % bis zum Deckel der Grundsicherung hochgewertet werden.

Was unterscheidet die Lebensleistungsrente von der Zuschussrente? 

Die Lebensleistungsrente soll aus Steuern bezahlt werden. Für den ursprünglich von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU)  geplanten steuer- und beitragsfinanzierten Zuschuss, der Minirenten plus Riester-Vorsorge auf bis zu 850 Euro aufwerten sollte, waren 35 Renten-Beitragsjahre vorgesehen. Jetzt sind es 40. Die Hürde wurde also höher gesetzt. Dafür ist noch offen, wie viele Ansparjahre für eine zusätzliche Altersvorsorge erfüllt sein müssen. Bei von der Leyens Zuschussrenten-Modell waren es am Ende 35 Jahre. An dieser Stellschraube wird noch gedreht.

Wo bleibt die angekündigte Besserstellung von Frauen? 

Da wird erst mal geprüft, ob - wie von der Frauen-Union gefordert - auch jene Mütter bessergestellt werden, deren Kinder vor 1992 auf die Welt kamen. Würde diesen bislang benachteiligten Frauen die Rente künftig um 56 statt bislang 28 Euro aufgestockt werden, schlüge dies bereits 2015 mit schätzungsweise 800 Millionen Euro zu Buche. Dabei wären aber nur Neurentnerinnen bedacht. Wird die Regelung auf alle Betroffenen übertragen (also auch auf Mütter, die schon in Rente sind), wären es 6,6 Milliarden Euro.

Lohnt sich Riestern für Geringverdiener? 

Die Regierung sagt ja, zumindest in Zukunft. Denn wer durch den Rentenzuschuss über die Grundsicherungsgrenze kommt, soll seine private Altersvorsorge behalten dürfen. Im Gegensatz zu Empfängern von Grundsicherung. Bei ihnen wird die Riester-Rente mit der Sozialhilfe verrechnet.

Schlagworte zum Thema:  Zuschussrente, Geringverdiener, Lebensleistungsrente

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