14.11.2012 | Rentenanpassung

Nur minimale Erhöhung für Westrentner zu erwarten

m Die Rentenerhöhung 2013 soll im Westen recht schmal ausfallen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Des einen Freud - des anderen Leid: Für 2013 zeichnet sich eine ganz besonders brisante Rentenerhöhung ab: Die Westrentner werden voraussichtlich nur ein Drittel des Ostaufschlags bekommen.

Während sich rund 4 Mio. Rentner in den neuen Bundesländern auf die mit etwa 3 % wahrscheinlich höchste Rentenerhöhung seit 1997 freuen dürfen, zeichnen sich bei den 16 Mio. Altersgenossen im Westen lange Gesichter ab. Sie dürften sich mit einem Plus von 1 % recht mager abgespeist vorkommen.

Gravierender Unterschied von Ost und West

Bei einer Rente von 1.200 EUR liefe dies im Westen auf eine Erhöhung um etwa 12 EUR im Monat hinaus. Im Osten wären es 36 EUR. Bei 800 EUR Rente sind es 8 oder 24 EUR mehr, bei 1.800 Euro Monatsrente schon 18 oder 54 EUR.

Voraussagen sind mit Vorsicht zu genießen

Vor Jahresfrist hatte sich die Spitze der Rentenversicherung mit ihrer Prognose in Teilen schon einmal vergaloppiert: Damals sagten die Experten ein Plus für den Osten von über 3 % voraus. Am Ende waren es nur 2,26 %. Die für die exakte Rentenberechnung 2013 notwendigen Zahlen liegen erst im kommenden Frühjahr vor. Vorher sind alle Aussagen unsicher.

Warum der Ost-West-Unterschied?

Stark in Ost und West voneinander abweichende Rentenerhöhungen waren früher nicht ungewöhnlich - jedenfalls unmittelbar nach der Wiedervereinigung und bis Ende der 90er-Jahre. Da kam es vor, dass - wie 1993 - die Renten im Osten in 2 Schritten um mehr als 20 % angehoben wurden, im Westen dagegen «nur» um 4,36 %. Damals hinkten die Renten im Osten denen im Westen allerdings gewaltig hinterher - der Nachholbedarf war immens.

Der Abstand wird kleiner

Inzwischen ist das - von der durchschnittlichen Lohnentwicklung abhängige - Ost-Rentenniveau weiter gestiegen, aber immer noch auf Abstand. So liegt derzeit der Westrenten-Wert für ein Jahr Durchschnittsverdienst bei monatlich 28,07 EUR, im Osten bei 24,92 EUR. Das entspricht 88,8 % des Westniveaus. Im kommenden Jahr sollen es dann 91 % sein.

Anpassung im Detail schwer nachvollziehbar

Dass die Westrentner 2013 das Nachsehen haben, erklären die Experten der Rentenversicherung mit «technischen Faktoren»: So wird der rechnerisch mögliche Aufschlag im kommenden Jahr im Westen allein um 0,7 Prozentpunkte reduziert, weil die im Jahr 2010 unterbliebene Rentenkürzung - auf einer Art Minuskonto gelandet - letztmalig mit der Erhöhung verrechnet wird.

Hinzu kommt laut Rentenexperten noch ein spezieller Ost-West-Entgelteffekt, der im Westen einen Abzug von 0,6 Prozentpunkten, im Osten aber einen Zuschlag von 1,2 Punkten zur Folge habe. Die Fachleute sprechen von einem für Laien kaum nachvollziehbaren «Beta-Faktor».

Rentenerhöhung reicht nicht für Inflationsausgleich

Mit der anstehenden Rentenerhöhung brechen aber selbst im Osten keine «goldenen Zeiten» für die Ruheständler an. Seit Anfang 2000 haben die Renten laut Bundesregierung etwa ein Fünftel ihrer Kaufkraft verloren: 17 % im Westen und knapp 22 % im Osten. Die sich abzeichnenden Erhöhungen sind also kaum mehr als ein Trostpflaster. Den West-Rentnern winkt angesichts des Mini-Aufschlags einmal mehr kein Inflationsausgleich.

Schlagworte zum Thema:  Rentenanpassung, Gesetzliche Rentenversicherung, Renteneintritt

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