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Verzicht auf Praxisgebühr - so funktioniert es

HEK erstattet mittels Bonusprogramm die Zahnarzt-Praxisgebühren
Bild: Haufe Online Redaktion

Die HEK hat einen Coup gelandet, der allerseits auf Beifall stößt: Die Versicherten werden faktisch von der Praxisgebühr beim Zahnarzt befreit - durch einen Trick der Kasse.

Genialer Schachzug der Hanseatischen Krankenkasse (HEK):  Die Krankenkasse schafft die Praxisgebühr bei Zahnarztbesuchen ab. Die HEK erstattet ihren Versicherten rückwirkend ab 1.1.2012 die gesetzlich vorgeschriebene Gebühr. Doch wie ist das möglich - sieht doch das Gesetz keine Ausnahme von der Regel vor?

Praxisgebühr ist gesetzlich geregelt

Grundsätzlich muss jeder gesetzlich krankenversicherte Patient der das 18. Lebensjahr vollendet hat, bei einem Zahnarztbesuch die Praxisgebühr entrichten. Die Praxisgebühr in Höhe von 10 EUR fällt in jedem Quartal an (§ 28 Abs. 4 SGB V), in dem eine Zahnarztbehandlung beansprucht wird. Eine Ausnahme bilden nur die Zahnarztbesuche, die lediglich zur Vorsorge dienen.

Praxisgebühr ist generell umstritten

Die Regelung sollte die Häufigkeit der (Zahn-)Arztbesuche steuern. Doch das erwies sich als Trugschluss. Wer zum Arzt (oder Zahnarzt) muss, lässt sich von 10 EUR alle 3 Monate nicht abhalten. Daher ist die Praxisgebühr in der Politik seit einigen Monaten schwer umstritten. Während die FDP sie gerne abgeschafft sähe, weigert sich der Koalitionspartner beharrlich.

HEK will die Gebühr erstatten

Da platzte die Nachricht der HEK von der Abschaffung der umstrittenen Gebühr wie eine Bombe in das an Nachrichten arme Sommerloch. „Die Praxisgebühr hat keine Steuerungsfunktion und verursacht unnötige Bürokratiekosten“, betont der Vorsitzende des HEK-Verwaltungsrates Horst Wittrin. Die Kasse spricht von der „faktischen“ Abschaffung der Praxisgebühr. Und das bereits für das Kalenderjahr 2012. Dazu müssen die Versicherten die Quittung über die gezahlte Praxisgebühr und eine Kopie Ihres Zahn-Bonusheftes an die HEK schicken. Sie erhalten dann die Praxisgebühr umgehend zurück. Die Kasse macht sich dazu die gesetzliche Regelung zu den Bonusprogrammen zunutze.

Teilnahme am Bonusprogramm erforderlich

Voraussetzung dafür ist, dass der Versicherte an bestimmten präventiven Maßnahmen oder an den Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen hat (§ 65a SGB V). Die Krankenkassen dürfen Geldprämien auszahlen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Diese sind in der Kassensatzung zu regeln.

Weitere Hürde für die Kassen: Sie müssen sich jedes Bonusprogramm von der Aufsichtsbehörde genehmigen lassen. Für das neue Angebot liegt der HEK bereits die Genehmigung vom Bundesversicherungsamt (BVA) vor.

Einfach Quittungen und Vorsorgenachweis einreichen

Für die Erstattung reicht der Nachweis der Zahnvorsorge aus dem jeweiligen Kalenderjahr aus. Der Kostenersatz erfolgt in Höhe der eingereichten Quittungen, wie ein Sprecher der Kasse auf Aufrage bestätigte. Wer also die Praxisgebühr beim Zahnarzt im Jahr 2012 zweimal gezahlt hat, bekommt auch nur 20 EUR erstattet. Das funktioniert dann auch in den Folgejahren entsprechend, wenn im jeweiligen Jahr an der zahnärztlichen Vorsorge teilgenommen wurde.

Schlagworte zum Thema:  Praxisgebühr, Bonusprogramm, Prophylaxe, Bonusheft

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