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Praxisgebühr senken - für jeden Arztbesuch zahlen

Die umstrittene Praxisgebühr sollte aus Sicht von Gesundheitsökonomen auf alle Arztbesuche ausgeweitet werden.

Damit könnten die im internationalen Vergleich extrem häufigen Arztbesuche in Deutschland zurückgehen und Kosten gesenkt werden, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie am 11.4.2012 in Berlin. Entfallen könnten dagegen Zuzahlungen im Krankenhaus, von denen keinerlei Steuerungswirkung ausgingen.

Gebühr für jeden Besuch bringt höhere Steuerungseffekte

Eine auf 5 EUR gesenkte und alle Arztbesuche ausgeweitete Praxisgebühr würde - bei gleichzeitiger Streichung der Zuzahlung im Krankenhaus - die Versicherten nur wenig mehr belasten, argumentieren die Gesundheitsökonomen. Sie schätzen den Betrag auf 2,4 Mrd. statt 2,2 Mrd. EUR im Jahr. Der Steuerungseffekt aber wäre weit größer und könnte den Beitragssatzanstieg dämpfen.

Aktuelle Praxisgebühr-Regelung hat das Ziel verfehlt

In ihrer derzeitigen Ausgestaltung müsse die Praxisgebühr als misslungen bezeichnet werden, heißt es weiter. Der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Aufkommen von reichlich 1,5 Mrd. EUR bei Ärzten und 400 Mio. EUR bei Zahnärzten (2010). Die Praxisgebühr sei zudem nicht verhaltenssteuernd.

Deutsche sind Spitzenreiter bei Arztbesuchen

Da jedoch die Deutschen mit durchschnittlich 17 Arztbesuchen im Jahr weltweit eine Spitzenposition einnehmen, scheint es aus Sicht der Gesundheitsökonomen angebracht, die Patienten durch eine Zuzahlung an den dabei entstehenden Kosten zu beteiligen.

Derzeit müssen gesetzlich Versicherte beim ersten Arztbesuch im Quartal 10 EUR bezahlen. Die Milliarden-Überschüsse bei vielen Krankenkassen haben eine Debatte über die Praxisgebühr ausgelöst (s. News v. 22.3.2012). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte ihre Abschaffung. Zudem fallen je 10 EUR für die ersten 28 Krankenhaustage an.

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