| Praxisgebühr

Die Praxisgebühr steht zur Disposition

Die Praxisgebühr von 10 EUR steht möglicherweise vor dem Aus.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Die SPD-Fraktion will in dieser Woche das Ende der Praxisgebühr im Bundestag zur Abstimmung stellen. Einige Kassen haben auch ohne Entscheidung der Politik bereits reagiert: Sie erstatten die Praxisgebühr an die Versicherten zurück.

Die Abschaffung der Praxisgebühr wird derzeit so heiß diskutiert, weil die gesetzlichen Krankenkassen momentan über ein dickes Finanzpolster verfügen. Was vielfach nicht bekannt ist: Die Kassen profitieren von der Praxisgebühr. Denn die quartalsweise Zuzahlung in Höhe von 10 EUR beim Arztbesuch wird mit dem Honorar der Ärzte verrechnet – und kommt damit schlussendlich den Krankenkassen zugute. Allerdings ist damit zu rechnen, dass es im kommenden Jahr zu einer Abschmelzung der Geldvorräte kommen wird.

Ist eine Praxisgebühr wegen der Steuerungswirkung auf die Anzahl der Arztbesuche nicht eigentlich sinnvoll?

Die ursprüngliche Idee der Praxisgebühr ist, den Patienten ein Kostenbewusstsein zu verschaffen und die Praxis der „Selbstüberweisung zum Facharzt“ oder Doktor-Hopping einzugrenzen. Tatsächlich suchten direkt nach dem die Praxisgebühr eingeführt wurde die Patienten seltener Fachärzte und dafür häufiger ihre Hausärzte auf. Damit wurde zunächst die erwünschte Steuerungsfunktion erreicht. Doch der Effekt hielt nach den Ermittlungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nur etwa 3 Jahre an; danach waren die Verhältnisse wieder wie zuvor.

Welche Krankenkassen erstatten die Praxisgebühr?

Die Techniker Krankenkasse, die KKH Allianz und IKK Gesundplus haben angekündigt, ihren Mitgliedern die Praxisgebühr zurückzuerstatten. Doch die Sache hat einen Haken. Die Erstattung läuft jeweils im Rahmen eines Bonusprogramms und ist an Bedingungen geknüpft. Bei der IKK gibt es die Rückzahlung bei Teilnahme am Hausarztprogramm. Den Nachweis über 4 gesundheitsbewusste Maßnahmen pro Jahr wie etwa Vorsorgeuntersuchungen oder sportliche Aktivitäten fordern TK und KKH.

Die Quittungen über die Praxisgebühren sind ebenfalls vorzulegen. So stellt allein der bürokratische Aufwand eine beträchtliche Hürde dar. Kritiker sprechen daher auch von „Mogelpackungen“.

Andere Kassen bieten mehr Leistung anstelle Erstattung

Ein Blick auf die Homepage der Kassen gibt einen Überblick, welche Leistungen von der jeweiligen Kasse übernommen werden. So zahlen z. B. einzelne Krankenkassen osteopathische Behandlungskosten. Im Übrigen bieten verschiedene Kassen Bonuszahlungen und/oder Prämien für die unterschiedlichsten Bedürfnisse an - nur heißt es dann nicht plakativ „Erstattung der Praxisgebühr“.

Ist ein Kassenwechsel wegen der Erstattung der Praxisgebühr sinnvoll?

Grundsätzlich muss jeder Versicherte für sich selbst entscheiden, ob die – vergleichsweise ja doch der Höhe nach überschaubare Prämie – den jeweiligen Aufwand wert ist. Jedenfalls sollte beim Kassenwechsel jeder Wechselwillige prüfen, ob und welche Leistungen für ihn wichtig sind.

Ein gründlicher Vergleich lohnt sich und von übereilten Entscheidungen ist abzuraten. Insbesondere wenn sich die Politik zu einer Abschaffung der Praxisgebühr durchringt, profitieren am Ende alle Kassenmitglieder davon.

Schlagworte zum Thema:  Praxisgebühr, Prämie, Bonusprogramm, Krankenkassenwechsel, Zuzahlung

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