26.11.2013 | Präventionsbericht 2014

Bessere Gesundheitsförderung trotz sinkender Präventionsausgaben

Prävention: Mit Gesundheitsförderung möglichst früh ansetzen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Volkskrankheiten wie Übergewicht oder Diabetes nehmen zu. Sie sollen durch Vorbeugung, betriebliche Gesundheitsförderung und Individual-Prävention eingedämmt werden. Im Settingansatz wurden einzelne Präventionsbereiche stärker gefördert - bei insgesamt sinkenden Präventionsausgaben der Krankenkassen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben sich im vergangenen Jahr 2012 erneut stärker für die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und die Prävention in Kindergärten und Schulen engagiert. Bereits seit mehreren Jahren wird die Strategie verfolgt, insbesondere Menschen mit höheren gesundheitlichen Belastungen in ihrer konkreten Lebenswelt anzusprechen. Das geben der GKV-Spitzenverband und der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) im aktuellen Präventionsbericht bekannt.

Präventionsausgaben 2012 übersteigen gesetzlichen Richtwert

Im Berichtsjahr 2012 haben die Krankenkassen  rund 238 Mio. EUR für Primärprävention und Gesundheitsförderung ausgegeben. Obwohl insgesamt weniger ausgegeben wurde als im Vorjahr, wurde deutlich mehr als bisher speziell in die Bereiche BGF und Setting-Maßnahmen investiert.

Die Ausgeben für Prävention betrugen im Schnitt 3,41 EUR pro Versichertem. Damit wurde der gesetzlich vorgeschriebene Richtwert von 2,94 EUR wie in den Jahren zuvor deutlich überschritten.

GKV ist Spitzenreiter bei der Förderung der Prävention

„Wenn die nächste Bundesregierung das Thema Präventionsgesetz wieder auf die Agenda setzt, muss sie deutlich stärker als bisher alle beteiligten Akteure in die finanzielle Pflicht nehmen. Denn nur, wenn auf allen verantwortlichen Ebenen gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, können die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig wirken“, so Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist der größte Förderer der Prävention in Deutschland und kommt für etwa die Hälfte der Gesamtausgaben in diesem Bereich auf.

Demografischer Wandel

Das Thema „demografische Wandel“ und die steigende Zahl älterer Arbeitnehmer beschäftigen immer mehr Unternehmen und auch Krankenkassen. Frage ist: Wie kann die Gesundheit von Arbeitnehmern erhalten werden? „Deshalb haben die Krankenkassen 2012 wie in den Vorjahren ihr Engagement in der betrieblichen Gesundheitsförderung konsequent ausgebaut“, so Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS.

Trend zur betrieblichen Gesundheitsförderung

In rund 8.000 Betrieben wurden Maßnahmen der BGF unterstützt – das sind 20 % mehr als im Jahr 2011. Rund 1,3 Mio. Arbeitnehmer wurden durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung direkt oder indirekt erreicht werden. Insgesamt gaben die Krankenkassen 2012 mehr als 46 Mio. EUR für die BGF aus; im Jahr 2011 waren es noch 42 Mio. EUR.

Prävention am Arbeitsplatz für Körper und Psyche

Im Vordergrund standen häufig Maßnahmen zur Reduktion körperlicher Belastungen am Arbeitsplatz. Denn 36 % aller gesundheitsfördernden Projekte im Jahr 2012 wurden in Betrieben des verarbeitenden Gewerbes durchgeführt.

Aber auch auf die starke Zunahme von psychischen Erkrankungen wird reagiert: Stressmanagement und gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung gehörten daher ebenfalls zu den besonders häufig angebotenen Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz.

Prävention und Gesundheitsförderung möglichst früh ansetzen

Wohngebiete, Kindertagesstätten und Schulen sind besonders geeignet, um sozial benachteiligte Menschen mit meist höheren gesundheitlichen Belastungen und geringeren Ressourcen anzusprechen. Mit 28 Mio. EUR haben die Krankenkassen im Jahr 2012 für lebensweltbezogene Projekte 21 % mehr ausgegeben als im Vorjahr und 2,5 Mio. Menschen direkt erreicht.

Prävention nach dem Setting-Ansatz

Gezielt wurde der Schwerpunkt auf Bildungseinrichtungen gelegt, um die gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen von Heranwachsenden langfristig positiv zu beeinflussen. Jedes 2. lebensweltbezogene Projekt (52 %) wurde in einer Kindertagesstätte durchgeführt. Insgesamt wurden rund 47 % aller Kitas und Schulen erreicht. Außerdem fand fast jedes 3. lebensweltbezogene Projekt in einem sozialen Brennpunkt statt.

Rückläufige Ausgaben für Maßnahmen der Individualprävention

Kursangebote, die sich an einzelne Versicherte wenden, befassen sich mit Bewegungsförderung, Ernährung, Stressbewältigung und Raucherentwöhnung. Die Teilnehmerzahlen bei diesen Kursen gingen im Jahr 2012 erneut zurück: Rund 1,3 Mio. Kursteilnehmer wurden registriert. Dafür gaben die Krankenkassen 164 Mio. EUR und damit knapp 20 % weniger als im Vorjahr aus. Diese Entwicklung entspricht der politisch gewollten Fokussierung auf die betriebliche Gesundheitsförderung und auf Lebenswelten.

Krankenkassen erreichen selbstgesteckte Ziele für die Gesundheitsförderung

Seit 2008 orientieren die Krankenkassen ihre Aktivitäten in der BGF und bei lebensweltbezogenen Maßnahmen an selbstgesteckten Präventionszielen. Die Bilanz der 1. Zielperiode 2008 – 2012 fällt positiv aus. So wurden 2012 beispielsweise 3x so viele Kinder zwischen 3 und 6 Jahren mit spezifischen lebensweltbezogenen Interventionen erreicht als 2008. In den Jahren 2013 – 2018 will die GKV in den bisher unterrepräsentierten kleinen und mittleren Betrieben (KMU) verstärkt Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten. Daneben sollen in KMU mehr Projekte zur besseren Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben gefördert werden.

Den Präventionsbericht 2013 sowie Praxisbeispiele zur betrieblichen Gesundheitsförderung finden Sie auf den Seiten des GKV-Spitzenverbandes unter www.gkv-spitzenverband.de im Internet.

Schlagworte zum Thema:  Prävention, Betriebliche Gesundheitsförderung, Vorsorge, Volkskrankheit, Präventionsgesetz

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