18.07.2013 | Pflegeleistungen für Demenzkranke

Demenzkranke profitieren von verbesserten Pflegeleistungen

Demenzkranke profitieren von den neuen Pflegeleistungen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die seit Januar 2013 verbesserten Pflegeleistungen werden schon in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 650.000 Demenzkranken zugutekommen. Darunter sind 140.000 Betroffene in der Pflegestufe 0, die erstmals Pflegegeld oder Pflegesachleistungen erhalten.

Die Neuregelung zeigt offensichtlich positive Wirkung:
Hunderttausenden von Demenzkranken mit stark eingeschränkter Alltagskompetenz stehen verbesserte Pflegeleistungen zu. Davon geht der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) aus.

Pflegebegutachtungen nehmen zu

Der MDS hat die Zahl der Begutachtungen von Pflegebedürftigen im ersten Quartal 2013 auf das Gesamtjahr hochgerechnet. Nach den am 17.7.2013 veröffentlichten Zahlen nahmen die Aufträge für Pflegebegutachtungen in der häuslichen Pflege allein im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 15 % auf 375.968 zu.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sieht darin konkrete Fortschritte: "Die Leistungsverbesserungen kommen bei den Menschen an. 650.000 Menschen, die bisher gar keine oder kaum Leistungen bekommen haben, sind nun bessergestellt." Er reklamierte dies als Erfolg der schwarz-gelben Bundesregierung. Das neue Gesetz stelle "tausende Menschen besser und niemanden schlechter."

Schnelle Einstufung in Pflegeklassen

Verbessert hat sich den Angaben zufolge auch die Zeit zwischen Antragstellung und Begutachtung: 96 % aller Anträge auf Einstufung in eine Pflegeklasse wurden innerhalb von 4 Wochen beschieden. Für Bahr steht damit fest: "Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen erhalten schnell Klarheit und müssen damit von der Antragstellung bis zur Entscheidung fast nie länger als 5 Wochen warten." Pflegekassen, die länger brauchen, werden pro Woche mit 70 EUR zur Kasse gebeten.

Patienten der Pflegestufen 0, I und II profitieren

Rechnet man die Ergebnisse des ersten Quartals auf das Jahr 2013 hoch, kommt die Neuregelung etwa 140.000 Patienten der Pflegestufe 0 zugute. In der Pflegestufe I werden laut MDS 300.000 und in der Pflegestufe II 210.000 Menschen profitieren. Bei Demenz handelt es sich um nachlassende geistige Fähigkeit im Alter.

Zwischenschritt zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff

Im Pflege-Neuausrichtungsgesetz sieht MDS-Geschäftsführer Peter Pick "nur einen Zwischenschritt hin zum geplanten neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff". Erst damit könnten Menschen mit dementiellen Einschränkungen die gleiche Unterstützung erhalten wie Menschen mit körperlichem Hilfebedarf. Die Betroffenen dürften sich davon weitere Leistungsverbesserungen erhoffen.

Die neuen Leistungen der Pflegeversicherung seit Jahresbeginn

Seit Anfang 2013 erhalten zu Hause betreute Demenzkranke verbesserte Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. In der Pflegestufe 0 stehen ihnen erstmals Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu - neben den zuvor schon bewilligten zusätzlichen Betreuungsleistungen von 100 oder 200 EUR monatlich. An schwindender geistiger Kompetenz leidet in Deutschland etwa eine Million Menschen. Die Leistungen im Detail:

  • Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, aber ohne Pflegestufe (sogenannte Pflegestufe 0) erhalten monatlich ein Pflegegeld von 120 EUR oder Pflegesachleistungen bis zu 225 EUR.
  • Pflegebedürftige in Pflegestufe I erhalten ein um 70 EUR erhöhtes Pflegegeld von 305 EUR und um 215 EUR erhöhte Pflegesachleistungen bis zu 665 EUR.
  • Pflegebedürftige in Pflegestufe II erhalten ein um 85 EUR erhöhtes Pflegegeld von 525 EUR und um 150 EUR erhöhte Pflegesachleistungen bis zu 1.250 EUR.

SPD hält verbesserte Demenz-Pflegeleistungen für unzureichend

Die verbesserten Pflegeleistungen für Demenzkranke reichen aus Sicht der SPD längst nicht aus. "Die Betroffenen werden mit einem Almosen abgespeist", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. Die Sozialdemokraten würden im Falle einer Regierungsübernahme "gut die Hälfte" der Mittel aus der geplanten Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrages um 0,5 Prozentpunkte für Demenzkranke aufwenden, erläuterte Lauterbach.

Schlagworte zum Thema:  Pflegesachleistung, Pflegegeld, Demenzkranke, Pflegekasse

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