| Patientenrechte

Ärzte nutzen Vertrauen der Patienten aus

Ärzte sollen Patienten besser aufklären - nicht nur verkaufen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Kann man seinem Arzt immer vertrauen? Bei den umstrittenen Selbstzahlerleistungen (IGeL) gilt das laut Verbraucherschützern nicht uneingeschränkt - Mediziner verkaufen sie vielfach allzu offensiv.

Patienten werden nach einer Umfrage beim Arzt viel zu spärlich über Selbstzahlerleistungen aufgeklärt. So habe bei jedem 4. Fall vorab eine Kosteninformation gefehlt, berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am 15.10.2012 unter Berufung auf eine bundesweite Online-Umfrage, an der sich von April bis Juni mehr als 1.700 Verbraucher beteiligt hätten.

Wenige Aufklärung - schnelle Entscheidung

Nur jeder Vierte (23 %) erinnerte sich demnach daran, über Risiken aufgeklärt worden zu sein. Über den individuellen Nutzen fühlte sich nur gut jeder Zweite informiert. Ausreichende Bedenkzeit gab es bei 51 % der Fälle.

IGeL sind lukrative Einnahmequelle

Mit den fraglichen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) setzen Arztpraxen in Deutschland nach Angaben des vzbv jährlich mindestens 1,5 Mrd. EUR um. «Viele Ärzte nutzen das Vertrauen der Patienten aus, wenn sie vom Helfer zum Verkäufer werden», sagte Verbandsvorstand Gerd Billen.
Spitzenreiter bei diesen Leistungen sind laut der vzbv-Umfrage Glaukomfrüherkennung (Grüner Star), Ultraschall, PSA-Test (Prostata) und zahnärztliche Behandlungen. Mit 82 % seien die meisten dieser Behandlungen nicht auf Initiative der Patienten zustande gekommen. In fast jedem 2. Fall sei das Praxispersonal direkt am Verkauf beteiligt gewesen.

Strengere Auflagen für IGeL-Verkauf

Er forderte die Bundesregierung auf, das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Patientenrechtegesetz nachzubessern. Der IGeL-Bereich solle strengeren Regeln unterliegen. «Selbstzahlerleistungen sollen der Gesundheit dienen, nicht die Selbstbedienungsmentalität mancher Ärzte befeuern», forderte Billen.

Viele dieser Leistungen sind umstritten, sie können aber sinnvoll sein

So kritisieren Experten Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung bei beschwerdefreien Frauen als unsicher. Bei vielen Frauen kommt es zum Krebsverdacht, der sich nur selten bestätigt. Verdachtsfälle auf Eierstockkrebs können nur per Operation geklärt werden. Der Nutzen der Glaukomfrüherkennung wird seit langem unterschiedlich bewertet.

Schlagworte zum Thema:  Patientenrechte, IGeL, Selbstzahlerleistung, Aufklärung

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