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Großer Datenschutzskandal im Gesundheitswesen

Datenskandal: unzulässiger Verkauf von Millionen Patietendaten
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ein Arzneimittelrechenzentrum betrieb einen florierenden Handel mit geschützten Patientendaten: nur unzureichend verschlüsselte Daten wurden an einen Datenhändler verkauft. So waren Rückschlüsse auf das Verordnungsverhalten von Ärzten und die Erkrankungen von Patienten möglich.

Die Daten aus Verordnungen von Millionen Ärzten und Patienten wurden ausspioniert. Das süddeutsche Apothekenrechenzentrum VSA verkaufte angeblich unzureichend verschlüsselte Patientendaten an den US-Datenhändler IMS Health, wie vom Nachrichtenmagazin Spiegel unter Hinweis auf vertrauliche Dokumente berichtet wurde.

Datenschutz mangelhaft

Aus den vertraulichen Dokumenten geht hervor, dass sich der "Schutzcode" leicht auf die tatsächliche Versichertennummer zurückrechnen ließe. Denn die Identität der Patienten wird lediglich durch einen 64-stelligen Code verschleiert, der leicht zu knacken ist. Zusätzlich werden auch Alter und Geschlecht der Patienten an IMS Health weitergegeben.

Datenhandel ist lukrativ

Pro Rezeptdatensatz von deutschen Versicherten zahlt der amerikanische IMS-Konzern teils unter 1,5 Cent an Apothekenrechenzentren. Dagegen beinhaltet ein Angebot von IMS an einen Pharmakonzern z. B. "patientenindividuelle" Informationen aus Insulinrezepten in "12-Monats-Updates" für 86.400 EUR.

Pharmafirmen nutzen Patientendaten

IMS Health verfolge nach eigenen Angaben die Krankheiten von 42 Mio. gesetzlich Versicherten in Deutschland und von über 300 Mio. Patienten weltweit. Die Daten verkaufe IMS unter anderem an Pharma-Firmen, die sich damit besser auf Verkaufsgespräche bei Ärzten einstellen könnten.

Datenhändler dementiert Datenschutzmängel

Der US-Konzern widersprach der Kritik: "Es ist zu keiner Zeit ein Rückschluss auf einzelne Ärzte oder einzelne Patienten weder bei IMS Health noch bei unseren Kunden möglich", zitiert das Magazin aus einer Stellungnahme des Unternehmens.

Sozialdatenschutz ist Persönlichkeitsschutz

Das sog. Sozialgeheimnis ist Kernpunkt des Sozialdatenschutzes. Mit Sozialdatenschutz wird vorrangig der Schutz personenbezogener Daten des Einzelnen bezeichnet. Insbesondere die Sozialleistungsträger sind verpflichtet, Patientendaten vor Missbrauch zu schützen. Mehr zum Sozialdatenschutz lesen Sie hier.


Schlagworte zum Thema:  Datenhandel, Datenschutz, Patient

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