12.07.2013 | Patientenrechte

Jahresbericht zu möglichen Schwachpunkten im Gesundheitssystem

Das Krankengeld war 4.800 Thema einer Patienten-Beschwerde.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) legte Anfang Juli 2013 ihren ersten Jahresbericht "Monitor Patientenberatung" vor. Thema waren u. a. Patientenrechte, Patienten-Beschwerden, Behandlungsfehler, Ablehnung von Leistungen und die Einsichtnahme in Krankenunterlagen.

Die Beschwerden von Patienten beziehen sich vor allem auf niedergelassene Ärzte und gesetzliche Krankenkassen. Gut jede dritte Beschwerde betraf dabei Patientenrechte. Dieses Thema führt mit fast 10.600 Beratungen auch die Liste der UPD-Beratungsschwerpunkte an. Besonders häufig ging es um das Recht auf Einsichtnahme in Krankenunterlagen, gefolgt von Beratungen zu unangemessenen Verhaltensweisen etwa durch Ärzte und Krankenkassen. Noch wichtiger war die Frage, welche Leistungen Patienten zustehen und ob sie unberechtigt abgelehnt wurden (s. News v. 2.7.2013).

Anzahl der Patienten-Beschwerden

Auf der Basis von 75.000 Beratungsgesprächen liefert der Jahresbericht Hinweise auf mögliche Schwachpunkte im Gesundheitssystem. Über 14.500 Beschwerden von Patienten sind zwischen April 2012 und März 2013 bei der UPD eingegangen. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung wird die Ergebnisse für seine Arbeit und bei der zukünftigen Gesetzgebung nutzen. Ein positiver Ausblick: Am 1.2.2013 billigte der Bundesrat das "Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten " (s. News v. 4.2.2013).

Umgang von Patienten mit Ärzten oder Krankenkassen

"In der Beratung sehen wir, dass viele Patienten ihre Rechte nicht kennen, geschweige denn einfordern", sagt Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Geschäftsführer der UPD gGmbH. "Auch begegnet man ihnen im Medizinbetrieb nicht immer auf Augenhöhe und einen selbstbewussten Umgang mit Ärzten oder Krankenkassen trauen sich viele Ratsuchende gar nicht zu – sie glauben einfach, dass sie als Patienten keine Chance haben."

Verdacht auf Behandlungsfehler

Ein weiterer Schwerpunkt der UPD-Beratung ist der Verdacht auf Behandlungsfehler, der fast 6.800 Mal thematisiert wurde. Um Behandlungsfehler und Patientenrechte drehte es sich auch in den mehr als 5.100 Fällen, in denen der Zahnarzt Auslöser für die Kontaktaufnahme mit der UPD war. Hier ebenfalls wichtig: die Rechtmäßigkeit von Geldforderungen gegenüber Patienten. Fast 4.800 war Krankengeld das Gesprächsthema – vor allem die Frage, wann Versicherte Anspruch auf Krankengeld haben und wie man diesen durchsetzt. Im Fokus stand das Krankengeld auch bei Beratungen im Rahmen psychischer Erkrankungen, die zu den größten Diagnosegruppen im Beratungsgeschehen der UPD zählen.

Falsch-Beratung und Einsichtnahme in Krankenunterlagen

  • Fast 19.500 Mal haben die Berater der UPD bei der nachträglichen Erfassung des Beratungsgesprächs einen Hinweis auf eine besondere Problemlage dokumentiert.
  • In mehr als einem Drittel der Fälle waren Patienten unvollständig, widersprüchlich oder falsch informiert worden.
  • Bei einem Viertel identifizierten die Berater Probleme im Bereich des Zugangs zur Versorgung. Größtenteils bestand hier die Vermutung, dass Versorgungsleistungen durch Leistungserbringer oder Kostenträger unberechtigt verweigert wurden.
  • Ein weiteres Fünftel der benannten Problemlagen lieferte Hinweise auf eine mangelhafte Versorgungsqualität.

UPD-Bericht für die Belange der Patienten

Seit 2006 berät die UPD im Auftrag des Gesetzgebers unabhängig und kostenfrei in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen. Einmal jährlich berichtet die UPD über die Erkenntnisse ihrer Beratungsarbeit an den Beauftragten der Bundesregierung für Belange der Patienten. Ratsuchende erreichen die UPD vor Ort in 21 regionalen Beratungsstellen oder über ein kostenfreies Beratungstelefon 0800 0 11 77 22..

Schlagworte zum Thema:  Krankenunterlagen

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