16.01.2014 | Misstrauen bei Organtransplantationen

Negativrekord bei Organspenden

Es gibt zwar mehr Spenderausweise, aber weniger Organspenden
Bild: BZgA

Das Misstrauen gegen Ärzte bei der Organspende hält sich hartnäckig: Obwohl mehr Organspenderausweise ausgefüllt wurden, ging die Zahl der Organspenden extrem zurück. Der Organvergabeskandal liegt nun rund 18 Monate zurück. Bestehen noch immer Ängste vor Organentnahmen?

Das traurige Tief bei den Organspenden hat ein noch größeres Ausmaß als ohnehin befürchtet. Auf 876 sackte die Zahl der Spender im vergangenen Jahr ab. Nur noch 3.034 Organe wurden den Spendern entnommen. Trotz aller Kampagnen und Aufrufe: Die Vertrauenskrise nach dem Skandal bei der Organzuteilung scheint einfach zu groß. Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung.

Rekordtief bei Organspenden

Schon in den ersten 10 Monaten im Jahr 2013 schienen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten. 15,5 % weniger Spender als im Vorjahreszeitraum waren es da. Nun ist es auf das ganze Jahr gesehen sogar ein Rückgang um 16,3 % geworden - laut "Ärzte Zeitung" ein Negativrekord seit 23 Jahren. Tatsächlich lag die Zahl der Spender ausweislich einer offiziellen Statistik seit mindestens 1991 niemals unter 1.000.

Warum ist die Zahl der Organspender derart abgesackt?

Rund 18 Monate ist es jetzt her, dass der Organvergabeskandal aufflog. Wartelisten sollen in mehreren Krankenhäusern manipuliert worden sein, um somit schneller an ein Organ für die eigenen Patienten zu kommen. Offenbar hält sich bei vielen hartnäckig der Eindruck, dass in den Krankenhäusern auch heute nicht alles richtig läuft.

Offizielle Kontrolleure der Prüfungs- und Überwachungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen legten im September Ergebnisse vor: Demnach sollen 4 von 24 Leberzentren 2010 und 2011 systematisch Falschangaben zugunsten eigener Patienten gemacht haben. Neben den Unikliniken Göttingen, Leipzig und München rechts der Isar nannten die Prüfer auch Münster.

Keine Angst vor Organtransplantation

Die Zuständigen wollen das Misstrauen zerstreuen. Keiner müsse befürchten, wegen der Organe zu früh aufgegeben zu werden, sagt der derzeitige Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Rainer Hess. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betont: "Es gibt mehr Transparenz, es gibt mehr Informations- und Aufklärungsangebote, es gibt mehr Kontrolle und es gibt schärfere Sanktionsmöglichkeiten bei Fehlverhalten."

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery verweist auf das mittlerweile in den Kliniken eingeführte Mehraugenprinzip - mehrere Ärzte müssen sich vor der Anmeldung für die Wartelisten mit dem Fall befassen und sich so gegenseitig kontrollieren.

Positive Einstellung zur Organspende

Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verweist auf eine jüngste eigene Umfrage bei rund 4.000 Bürgern. Noch sind die Ergebnisse nicht veröffentlicht, doch sie berichtet: "Unsere Untersuchung zeigt, dass trotz der Manipulationen eine hohe positive Einstellung zu Organspende vorliegt, sie liegt bei 70 bis 80 % der Bevölkerung."

Der Anteil derer, die sich konkret für die Organspende aussprechen, sei nur minimal gesunken - und mehr Menschen als noch 2011 hätten einen Organspendeausweis ausgefüllt. Damals waren es 22 %.

Sicherheit durch Organspende-Reform

Seither des Skandal gab es eine Organspende-Reform. Die Krankenkassen schickten massenweise Informationen und Ausweise an ihre Versicherten. Möglichst viele sollen sich entscheiden. Für manche Experten noch wichtiger ist allerdings die Organisation in den Kliniken. Denn als Organspender kommen nur Menschen infrage, bei denen der Hirntod vor dem Herzstillstand eintritt. In den Kliniken kommt es darauf, die Fälle rechtzeitig als mögliche Spender zu erkennen, angemessen mit den Angehörigen zu sprechen und eine Entnahme professionell vorzubereiten und durchzuführen.

Infolge der Reform des Transplantationsgesetzes vor einem Jahr müssen die Kliniken Transplantationsbeauftragte vorweisen: Sie sollen den Prozess der Organspende koordinieren. Noch klappt das aber nach Ansicht von Insidern nicht überall so, wie es sein sollte.

Schlagworte zum Thema:  Organtransplantation, Organspende, Organspendeausweis

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