23.07.2014 | Ärztliche Behandlung

Niedersachsen testet anonymem Krankenschein für Flüchtlinge

Anonymer Krankenschein für Flüchtlinge
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer Angst vor Abschiebung hat, geht selten zum Arzt - auch wenn er schwer krank ist. Damit dies illegalen Flüchtlingen in Niedersachsen künftig erspart bleibt, soll es bald einen anonymen Krankenschein geben.

Flüchtlinge ohne Bleiberecht in Niedersachsen könnten eventuell demnächst mit einem anonymen Krankenschein zu einem Arzt gehen. Die Initiative der rot-grünen Koalitionsfraktion für eine bessere medizinische Versorgung der Betroffenen stieß am 26.6.2014 weitgehend auf Zustimmung.

Hilfe für Flüchtling und Sicherheit für Ärzte

Es soll erreicht werden, dass sich Flüchtlinge mit unklarem Aufenthaltsstatus ohne Furcht vor einer Entdeckung durch Ausländerbehörden in medizinische Behandlung begeben können, wenn sie krank sind. Ärzte könnten so auch dem Risiko entgehen, nach einer Behandlung von Flüchtlingen auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Bisher noch keine Ankündigung
In Göttingen soll der anonyme Krankenschein getestet werden - dort lösten die Ideen aber bei der Stadt Erstaunen aus. Man wisse davon bisher nichts, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. «Mit uns hat bislang niemand darüber geredet, ob wir Modellkommune werden wollen», sagte Verwaltungssprecher Detlef Johannson.
Die Göttinger SPD-Abgeordnete und Landtagsvizepräsidentin Gabriele Andretta hatte mitgeteilt, der anonyme Krankenschein solle als Modellversuch zuerst in Göttingen eingeführt werden. Kooperationspartner sollten die Kassenärztliche Vereinigung und die medizinische Flüchtlingshilfe sein. Die Kosten trage das Land.

Bremen stellt Krankenversicherungskarte der AOK zur Verfügung
Bremen hatte bereits 2005 die Regelung abgeschafft, wonach Asylbewerber vor dem Arztbesuch zunächst zum Amt müssen, um sich einen Behandlungsschein zu holen. Der Stadtstaat stellt seither jedem Asylbewerber eine Krankenversicherungskarte der AOK zur Verfügung. Die Kasse rechnet die Leistungen mit der Behörde ab. Der größte Vorteil aus Sicht der Bremer Sozialbehörde ist weniger Verwaltungsaufwand.

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